Mittwoch, 17. Oktober 2018

Technologie Was die Welt verändern wird

Forschungstrends: Autonome Autos, aktive Apartments
Florian Renner

Autonome Autos, aktive Häuser, virtuelle Welten, regenerative Medizin: manager magazin beschreibt die Innovationen, die in den nächsten Jahrzehnten unser Leben verändern werden.

Wir schreiben das Jahr 2050. Millionen Deutsche haben das Greisenalter erreicht - und leben dennoch selbstbestimmt zu Hause. Sie sind sozial aktiv, viele noch berufstätig. Denn obwohl es längst nicht mehr genügend junge Leute gibt, die sich um die Alten kümmern, umgibt sie ein Heer allgegenwärtiger Helfer.

Roboter in unterschiedlichster Gestalt nehmen den Bundesbürgern lästige und anstrengende Tätigkeiten ab. Sie putzen und bügeln, verabreichen Mahlzeiten und spornen zum täglichen Fitnessprogramm an. Sie tragen schwere Koffer oder ordern online Lebensmittel. Sie stellen die Kommunikation zu Familie oder Freunden her und vermitteln Bildung. Mehr und mehr verlassen sich die Menschen auf ihre elektronischen Universalassistenten. Schließlich sind Roboter keine tumben Automaten mehr. Sie erkennen Emotionen, gehen auf die Launen und Bedürfnisse ihrer Besitzer ein.

Eine übertriebene Utopie technikverliebter Ingenieure? Mitnichten. Professor Axel Gräser vom Institut für Automatisierungstechnik (IAT) der Universität Bremen arbeitet daran, das roboterunterstützte Leben zu verwirklichen.

Im Forschungsprojekt "Friend" verhilft demnächst ein Assistenzroboter einer querschnittsgelähmten Frau dazu, einen Job als Bibliothekarin an der Uni Bremen auszuüben. Gräsers Team stattete dazu einen Hightech-Rollstuhl mit einem computergesteuerten Arm aus. Den wendigen Greifer kontrolliert die Nutzerin mit ihrem Kinn. So kann sie Bücher aus dem Rollregal neben sich nehmen, die passende Seite aufschlagen und einem sprachgesteuerten PC bibliothekarische Daten diktieren. Schon tüfteln die IAT-Wissenschaftler daran, künstliche Gliedmaßen allein mit der Kraft der Gedanken zu steuern.

Die universelle Verbreitung von Robotern als Helfern im Alltag ist eine jener technologischen Entwicklungen, die Ulrich Eberl in seinem Buch "Zukunft 2050" schildert. Der promovierte Physiker, der seit 20 Jahren für Unternehmen wie Siemens oder Daimler Langfristszenarien untersucht und beschreibt, hat darin die vier wichtigsten Techniktrends identifiziert, die unser Leben in den kommenden Dekaden radikal verändern werden:

  • In Zukunft erzeugen nicht mehr nur Gas- oder Kohlekraftwerke Energie. Im neuen Stromzeitalter wird Elektrizität flächendeckend gewonnen, gespeichert und verteilt - überall wo sich regenerative Quellen anzapfen lassen: Sonne, Wind, Biomasse, Wasserkraft oder Erdwärme. Den Ökostrom nutzen Konsumenten drei- bis viermal effizienter als heute - etwa in Elektroautos oder LEDs.
  • 2050 lässt sich Materie auf der Nano- und Molekularebene standardmäßig manipulieren. Die Medizin etwa wird maßgeschneiderte Stoffe zur Bekämpfung von Krebs erzeugen oder Körpergewebe aus menschlichen Zellen nachwachsen lassen können. Mikrochips rechnen mit einzelnen Photonen und Elektronen. Und die Quantenphysik hilft, Daten absolut sicher zu verschlüsseln.
  • Dank einer weiteren Vertausendfachung der Leistungsfähigkeit von Rechnern, Speichern, Handys und Datenleitungen leben die Menschen 2050 in einer völlig vernetzten Umwelt. Im "Internet der Dinge" (mm 2/2011) agieren Gegenstände autonom miteinander - mithilfe von Sensoren, Aktoren und Kommunikationschips sprechen Häuser mit Robotern oder Handys mit Plakaten.
  • Die Kommunikation zwischen Mensch und digitalisierter Welt wird revolutioniert. Die allgegenwärtigen Computer der Zukunft reagieren auf Stimme, Mimik und Gesten. Tastatur, Maus und Touchscreen brauchen sie nicht mehr. Hightech-Spielzeuge oder Industrierechner präsentieren virtuelle Welten in Echtzeit und 3-D.

Eberls Prognosen basieren nicht auf Glaskugelvorhersagen. Sie resultieren aus jenen wissenschaftlich-technischen Entwicklungen, an denen heute schon Wissenschaftler an Universitäten, in Forschungsinstituten und Unternehmen arbeiten. Wie der Hilfsroboter des Bremer IAT. Ebenso wichtig: Die Prognosen konzentrieren sich nicht allein auf das technisch Machbare, sondern beziehen auch ökonomische, ökologische und soziale Aspekte ein: Welche Bedürfnisse entstehen? Welche Innovationen sind für wohlhabende und sicherheitsbedürftige Gesellschaften wie die deutsche akzeptabel, welche nicht?

In den kommenden 40 Jahren werden die heutigen Basisinnovationen das Alltagsleben spür- und sichtbar verändern. Für die Bereiche Produktion und Arbeit, Gesundheit, Wohnen und Mobilität sowie Freizeit hat manager magazin die wichtigsten Entwicklungen analysiert.

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