Dienstag, 26. März 2019

Internet Was die neuen Börsenstars wert sind

Hier liegt die Zukunft: Facebook, Foursquare, Twitter & Co.
Claudia Hehr

Facebook, Foursquare, Twitter und Co. revolutionieren die Webökonomie. Die Generation nach Google bietet globale Netzwerke, clevere Geschäftsideen - und weckt Börsenträume. Viele Hoffnungsträger gelten als stark überbewertet. Doch eine Analyse der Geschäftsmodelle zeigt: Hier liegt die Zukunft.

Hamburg - Naveen Selvadurai, indischstämmiger Mitgründer eines New Yorker Kleinbetriebs namens Foursquare und dergestalt eine Fortschrittskraft der Wirtschaft, ist ein zurückhaltender, strebsamer Knabe mit großen, braunen, staunenden Augen und einer großen, schweren Brieftasche.

Selvadurai gehört zu den reichsten 29-Jährigen der Welt, steht in den einschlägigen Listen und ist ein Mann der Tat. "Wir haben inzwischen fast sieben Millionen Nutzer", meldet Selvadurai in dem leiernden Singsang dessen, der seine Story schon etwas zu oft erzählt hat. "Das ist ein Wachstum von 3400 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten."

Foursquare ist ein mobiler Ortungsdienst, eine Mischung aus Empfehlungsportal und Discountschleuder. Mobile Internetdienste und ortsbasierte Netzwerke mit Check-in-Service sind le dernier cri in der Digitalszene, jedenfalls zurzeit, und Foursquare ist unter ihnen die mit Abstand glorreichste Gründung.

Foursquare, Ende 2008 von Selvadurai und seinem Kompagnon Dennis Crowley (34) gegründet, hat seinen Sitz in einem siebenstöckigen Altbau ganz in der Nähe des Astor Place im East Village, dem einstigen Zentrum der New Yorker Pop-, Sub- und Beatnikkultur.

In demselben Gebäude ist auch die 1955 gegründete alternative Wochenzeitung "Village Voice" untergebracht, die zu ihrer Zeit, wie Foursquare heute, das Symbol für Fortschritt und Moderne, Aufbruch und Verständigung war.

"Im Mai 2009 hatten wir zuerst den fünften Stock gemietet", sagt Selvadurai. "Inzwischen haben wir den sechsten noch dazugenommen", bemerkt er mit unbestimmter Geste, "aber es ist schon jetzt wieder zu eng."

Derzeit zehren Selvadurai und Crowley noch von den 20 Millionen Dollar, die sie im vergangenen Sommer bei einer Finanzierungsrunde eingesammelt haben, zu einem Zeitpunkt, als die Anzahl der Foursquare-Nutzer bei 1,8 Millionen lag, mithin nicht einmal ein Drittel des jetzigen Standes erreicht hatte. Mit 95 Millionen Dollar wurde Foursquare damals bewertet, heute dürften es weit über 250 Millionen Dollar sein.

Selvadurai, der als Neunjähriger mit seinen Eltern aus Südindien in die USA gekommen war, lernte Mitgründer Crowley, der sein erstes Internetunternehmen, Dodgeball, 2005 an Google Börsen-Chart zeigen verkauft hatte, in einem Gemeinschaftsbüro am Union Square kennen, nur ein paar Blocks vom jetzigen Firmensitz entfernt.

Ohne voneinander zu wissen, arbeiteten die beiden an fast identischen Projekten: der Möglichkeit, sich vermöge eines GPS-fähigen Smartphones an bestimmten Orten "einzuchecken" und Freunden, die dasselbe System nutzen, davon Mitteilung zu machen. "Ende 2008 haben wir unsere Entwicklungen zusammengelegt und Foursquare praktisch gemeinsam erfunden. 2009 gingen wir dann damit in den Markt."

Seine Pressesprecherin, ein Ausbund an Wachsamkeit, trägt Sorge, dass Selvadurai nichts über den Umsatz (niedrig) und die Verluste (hoch) sagt und auch die genauen Beteiligungsverhältnisse im Dunkeln lässt. "Das Unternehmen gehört Dennis und mir", sagt Selvadurai. "Die Angestellten sind auch beteiligt, und dann gibt es ja auch noch die Investoren", fügt seine Sprecherin hinzu, unter anderen die Risikokapitalisten Marc Andreessen und Ben Horowitz. "Ja", sagt Selvadurai sanft lächelnd.

Die beiden Foursquare-Gründer sind die Prototypen einer neuen Generation von Internetunternehmern, die zwar noch genauso gern, vielleicht sogar noch lieber feiern als ihre Vorgänger, die aber aus deren Fehlern die richtigen Schlüsse gezogen, ihr eigenes Temperament zu zügeln gelernt und nichts mehr mit der Generation eines AOL-Gründers Steve Case zu tun haben. Von hohen Zahlen und großen Namen lassen sie sich nicht den Kopf verdrehen.

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