Dienstag, 28. Juni 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Schattenbanken Geldhäuser verschieben erneut Milliardenrisiken

Schattenbanken: Die Finanzalchemisten und die Jäger
Fotos
Felix Reidenbach für manager magazin

Die Spielhalle ist wieder eröffnet. Geldhäuser verschieben Milliardenrisiken ins unkontrollierte Schattenbankensystem. Gegen üppige Gebühr nehmen Hedgefonds den Banken heikle Risiken aus Kreditbündeln ab: Aufseher warnen bereits vor dem nächsten Crash.

Hamburg - Die New Yorker Firma Christofferson, Robb & Company gehört nicht unbedingt zu den ganz großen Spielern im internationalen Geldgeschäft. Gerade mal 1,4 Milliarden Dollar hat Firmenmitgründer Richard Robb bei Investoren eingesammelt. Unter Bankern hat es der Hedgefonds, der auch unter dem prägnanten Kürzel CRC firmiert, dennoch zu einer gewissen Prominenz gebracht. Er gilt als Geheimtipp.

Robb, ein eleganter, freundlicher Endvierziger mit einem Faible für plakative Formulierungen, bietet Finanzhäusern einen ganz speziellen Service an. Der Fondsmanager, der nebenher als Professor an der New Yorker Columbia-Universität lehrt, nimmt den Geldhäusern gegen eine üppige Gebühr die besonders heiklen Risiken aus einem ganzen Bündel von Krediten ab.

Im Gegenzug können die Banken das von den Aufsichtsbehörden geforderte Eigenkapital, mit dem sie ihre Kreditausleihungen unterlegen müssen, reduzieren. Und zwar kräftig: Statt der in Zukunft vorgeschriebenen 10,5 Prozent der Kreditsumme müssen die Geldhäuser im günstigsten Fall nur noch weniger als ein Prozent an Kapital vorhalten, wenn sie ihre Risiken an einen Investor wie CRC auslagern.

Aus Sicht der Banken ein gutes Geschäft: Seit der Finanzkrise ist in der internationalen Hochfinanz kaum etwas so begehrt wie Eigenkapital. Erst, weil der Kapitalmarkt völlig austrocknete. Und dann, weil die Aufsichtsbehörden die Regeln für das Finanzgeschäft drastisch verschärft haben. Eine Großbank nach der anderen musste in den vergangenen Monaten frisches Geld bei den Aktionären einwerben.

Die neue Schminktechnik heißt "Capital Relief Trade"

Eine Offerte wie die von CRC, mit der sich der Kapitaleinsatz um bis zu 90 Prozent verringern lässt, wird da gern angenommen. Von amerikanischen Instituten über französische Großbanken bis hin zu den deutschen Landesbanken haben nahezu alle Finanzhäuser die im Branchenjargon als "Capital Relief Trades" verbrämte Schminktechnik bereits eingesetzt.

Und die Nachfrage nimmt rasant zu. "Unser Fonds", schätzt Hedgefondsmanager Robb, "deckt nur etwa ein Prozent des künftigen Bedarfs europäischer Banken ab. Wir stehen gerade erst am Anfang eines neuen Trends."

Längst hat die Finanzindustrie die verheerende Krise der letzten Jahre abgehakt und sucht nach neuen Expansionsmöglichkeiten. Versuche von Politikern und Aufsichtsbehörden, das Wachstum zu bremsen, empfinden viele Geldmanager bestenfalls als sportliche Herausforderung. Risiken in Milliardenhöhe werden ausgelagert. Geschäftsbereiche, die die Banken aufgrund der strengen Auflagen nicht mehr fortführen können, verkaufen sie kurzerhand an Investoren oder gehen Minderheitsbeteiligungen ein.

Schattenbanken gebieten über 16 Billionen Dollar Kreditvolumen

Die Profiteure dieses Wandels sind vor allem Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften. Sie gehören im Branchenjargon zu den sogenannten "Schattenbanken". Diese Institutionen, bei denen Vorschriften für die traditionellen Geldhäuser nur rudimentär greifen, haben sich zu einer bedeutenden Macht im globalen Finanzsystem entwickelt.

Einer aktuellen Studie der New Yorker Notenbank zufolge gebieten die "Shadow Banks" allein in den USA über ein Kreditvolumen von annähernd 16 Billionen Dollar - mehr als der eigentliche Bankensektor, der knapp 13 Billionen Dollar verwaltet.

Abgesehen von solchen groben Schätzungen, wissen die Aufseher indes wenig über das Schattenbankensystem. Wo etwa die von Banken ausgelagerten Risiken am Ende landen, ob sie nicht schon wieder irgendwo gehäuft auftreten, ist den Aufsichtsbehörden ebenso ein Rätsel wie die Frage, wie stark der regulierte und der nicht regulierte Finanzsektor miteinander verflochten sind.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 4/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH