Montag, 20. August 2018

Explodierende Rohstoffpreise Jeder kämpft für sich allein

Libyscher Kämpfer vor Ölraffinerie in Ras Lanuf: Die Kämpfe in Libyen liefern Spekulanten ein Argument, um auf weiter steigende Ölpreise zu setzen
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Libyscher Kämpfer vor Ölraffinerie in Ras Lanuf: Die Kämpfe in Libyen liefern Spekulanten ein Argument, um auf weiter steigende Ölpreise zu setzen

Brent-Öl kostet mehr als 120 Dollar, Gold ist so teuer wie nie: Die Rohstoffinflation bedroht die Stabilität der Weltwirtschaft. Es ist Zeit für eine global konzertierte Stabilisierung. Die Notenbanken müssten übereinkommen, der Welt allmählich den Geldhahn abzudrehen.

Hamburg - Der Aufstand, das Wetter und die Gier - das sind die Faktoren, die nach landläufiger Meinung derzeit die Rohstoffpreise explodieren lassen. Unruhen in arabischen Ländern, Dürre in Russland, natürlich auch Spekulanten und Ausfuhrbeschränkungen einiger Exportländer - deshalb sollen Weizen, Öl oder seltene Erden immer teurer werden. Tatsächlich?

All das greift reichlich kurz. So lässt sich jedenfalls nicht erklären, warum die Rohstoffmärkte schon seit Langem einem Aufwärtstrend folgen (siehe Grafik, obere Kurve). In Wahrheit sind die Preissprünge ein Symptom für tiefer gehende Verspannungen. Und sie sind ein Alarmsignal: Die Weltwirtschaft wächst schneller als die Produktionsmöglichkeiten bei den natürlichen Ressourcen. Die Menschheit stößt an Kapazitätsgrenzen.

Warum? Vor allem weil die Notenbanken seit Jahren einen viel zu expansiven Kurs steuern.

Die Leitzinsen sind im globalen Durchschnitt immer weiter gesunken; real sind sie inzwischen sogar negativ (siehe Grafik, untere Kurve). Die Folgen dieser Geldschwemme sind wenig überraschend: Inflation - zuerst bei Aktien, Anleihen und Immobilien, dann bei Rohstoffen, inzwischen auch bei verarbeiteten Nahrungsmitteln, die in ärmeren Ländern für Not und Unmut sorgen, künftig vermutlich auch bei Industrieprodukten und Dienstleistungen. Die jüngsten Aufstände in Tunesien, Ägypten, Jordanien und anderswo lassen sich als Verteilungskämpfe interpretieren, wie sie in Phasen der Inflation typischerweise auftreten.

Schlimm genug. Aber Inflation ist ja kein Schicksal. Sie lässt sich steuern. Warum also findet die Welt nicht heraus aus der Inflationsspirale?

Das Problem besteht darin, dass jede Notenbank für sich genommen gute Gründe hat, die marodierende Liquidität nicht einzufangen: Die Europäische Zentralbank (EZB) sorgt sich um die schwache Konjunktur und die finanzielle Stabilität der Euro-Südstaaten. Die amerikanische Federal Reserve ist per Gesetz verpflichtet, mit Niedrigzinsen gegen die Massenarbeitslosigkeit anzugehen. In Japan herrscht Deflation, weshalb die Tokioter Währungshüter seit Langem eine Nahe-Nullzins-Politik verfolgen. China will gute Jobs für Hunderte Millionen Menschen schaffen und hält den Wechselkurs und die Zinsen niedrig.

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