Samstag, 22. Juli 2017

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Euro-Krise España ojé

Auf Sand gebaut: Wenige Branchen dominieren Spaniens Wirtschaft
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Rainer Ehrt für manager magazin

Nachdem Portugal unter den EU-Rettungsschirm geschlüpft ist, entscheidet sich das Schicksal der Europäischen Währungsunion in Madrid. Die spanische Regierung muss gleichzeitig den Haushalt sanieren und die Wirtschaft ankurbeln. Wird sie diesen brutalen Kraftakt schaffen?

Es sind wohl die härtesten Jobs, die die europäische Politik derzeit zu vergeben hat. Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero (50) und seine Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado (61) müssen ihr Land vor dem Konkurs retten - und nebenbei auch noch den Euro.

So eilen und jetten die beiden von einem Krisengipfel zum anderen, antichambrieren auf Roadshows bei potenziellen Investoren. Und zwischendurch müssen sie im eigenen Land Arbeitgeber und Gewerkschaften zu harten Konzessionen zwingen und das verunsicherte Volk beruhigen.

Europa schaut sorgenvoll auf die iberische Halbinsel. Die Dominotheoretiker an den Finanzmärkten unken schon seit Wochen: Nach Griechenland und Irland werden bald Portugal und Spanien fallen. Und in Spanien, so sieht es aus, entscheidet sich die Schlacht um den Euro.

Es steht also viel auf dem Spiel: Sollte die Sanierung dieses größten unter den Krisenländern scheitern, dann, so raunen Brüsseler Insider, drohten auch bislang stabile, aber hoch verschuldete Länder wie Italien und Belgien in den Sog der Finanzmarktpanik zu geraten. Die Folge wäre ein europäischer, vermutlich aber auch globaler Crash der Anleihemärkte. Ein perfekter Sturm, der alle bisherigen Höhepunkte der globalen Finanzkrise in den Schatten stellt.

Zapatero und Salgado kämpfen derzeit gegen die schwerste Wirtschaftskrise, die ihr Land je durchlitten hat. Die jäh geplatzte Immobilienblase riss Löcher in die Haushalte des Staates (der die Sparkassen retten muss) und vieler Privatpersonen. Und - noch schlimmer - die Realwirtschaft steckt in einem Teufelskreis von geringer Produktivität, hoher Arbeitslosigkeit, mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und Minuswachstum. Dabei müsste die Wirtschaft kräftig wachsen, um die Löcher im Haushalt stopfen zu können.

"Spanien ist nicht Irland und Griechenland schon gar nicht"

Geht das überhaupt? Kann ein Land gleichzeitig drastisch sparen, die Lohnkosten senken, die Produktivität steigern und dabei aus den Schulden herauswachsen? Funktioniert die europäische Sanierungsstrategie der harten Schnitte - oder treibt sie die Problemländer womöglich noch tiefer in die Krise?

Elena Salgados mächtiges Ministerium hat auf Druck der EU-Partner und der Finanzmärkte einen Reformfahrplan ausgearbeitet. Es gilt als oberste Direktive: Die Budgetziele müssen eingehalten werden. Unbedingt. Es gebe, sagen Insider, bereits einen "Plan B", eine Prioritätenliste mit weiteren Kürzungen für den Fall, dass die Haushaltszahlen schlechter auszufallen drohen als erwartet.

In einem Versammlungsraum des Wirtschaftsministeriums sitzt Generaldirektor Ángel Estrada und erläutert geduldig, was seine Chefin bereits getan hat und noch tun will. Doch gleich zu Beginn ist ihm wichtig zu sagen, dass Spanien nicht Irland ist und Griechenland schon gar nicht. "Schauen Sie sich unsere Verschuldungsquote an", sagt er und schiebt eine Grafik herüber: Spaniens Schulden betrugen danach 2010 nur 64,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Weniger als in Deutschland oder Frankreich und weit unter dem Schnitt der Euro-Länder von 84 Prozent.

Ja, konzediert er dann, Spanien habe ein Problem mit den Sparkassen. Aber bei der Lösung sei man schon weit vorangeschritten. Das Ministerium und die Zentralbank haben die mehr als 40 Sparkassen, die Cajas, zu Fusionen gezwungen, und bis spätestens September 2011 sollen die verbliebenen 17 Cajas ihre Kernkapitalquote erhöhen - oder sie werden verstaatlicht.

Schon 15 Milliarden Euro hat der Fusionsprozess den Staat gekostet, weitere 20 Milliarden Euro fallen dieses Jahr an, rechnete das Ministerium aus. "Das ist sehr konservativ geschätzt", sagt der Bankenexperte Pablo Tramazaygues von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group in Madrid. Manche taxieren den Finanzbedarf gar auf bis zu 120 Milliarden Euro.

Auch die Ratingagentur Moody´s setzt den Kapitalbedarf für die Rekapitalisierung der krisengebeutelten Sparkassen deutlich höher an, und zwar mit 50 Milliarden Euro. Die Entscheidung der Ratingagentur, die Bonität Spaniens Anfang März um eine Stufe herabzusetzen, ist ein offenes Misstrauensvotum gegenüber der Regierung in Madrid.

Laut den neuen Mindestkernkapitalauflagen müssen Spaniens Geldhäuser mindestens 8 Prozent Kernkapital aufweisen. Geldhäuser, die nicht zu mindestens 20 Prozent privaten Investoren gehören, benötigen sogar 10 Prozent Kernkapital. Um diese Vorgaben zu erfüllen, brauchen die Cajas mindestens sieben Milliarden Euro, wie sich aus den Ende März bei der Zentralbank vorgelegten Rekapitalisierungsplänen ergibt.

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