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18.02.2011
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Internet
Die Murks-Brothers

Von Christian Rickens und Thomas Werres

Internet: Die Geschäftspartner der Samwer-Brüder
Fotos
Dieter Mayr

StudiVZ, Facebook, Groupon - kaum ein wichtiger Deal, bei dem die Samwer-Brüder nicht mitverdienen. Doch zurück bleiben nicht selten düpierte Geschäftspartner und lädierte Unternehmen.

Hamburg - Der junge Mann in der braunen Daunenjacke und der Jeans mit modischem Riss über dem Knie fällt niemandem auf. Selbst sein leuchtend roter Gucci-Gürtel bietet hier, in der Bar des Münchener Luxushotels "The Charles", keinen ungewohnten Anblick.

Oliver Samwer (38) ist das ganz recht so. Vor einigen Jahren hat er zusammen mit seinen Brüdern Marc (40) und Alexander (36) beschlossen: "Die Unternehmen selbst sollen im Vordergrund stehen, nicht einzelne Personen."

Dabei könnten die drei Brüder zu Recht Prominentenstatus beanspruchen. In wenig mehr als einer Dekade ist das Trio zu den Paten des deutschen Internets herangewachsen. Kaum eine erfolgreiche Unternehmensgründung im Netz, an der sie sich nicht beteiligen. Kaum ein neuer Internettrend, aus dem die Samwers nicht ruck, zuck einen deutschen Firmenklon ableiten. Kaum ein Beteiligungsverkauf, bei dem die Samwers nicht kräftig Kasse machen. Und kaum ein Investor, der nicht auf die Expertise der Samwers vertraut, wenn es um Beteiligungen im Online-Geschäft geht.

Der Einfluss reicht weit, bis in das Internetkernland USA. Spätestens seit die Samwers 2008 mit einigen Millionen bei Mark Zuckerbergs Internetkonzern Facebook einstiegen, werden sie im Silicon Valley ernst genommen. Zuletzt verschafften sie sich Anteile am neuen E-Commerce-Wunder Groupon, das derzeit in Investorenkreisen auf bis zu 15 Milliarden Dollar taxiert wird.

Alexander, der jüngste der drei Samwers, war gerade mal 24 Jahre alt, als die Brüder in einem Kreuzberger Hinterhof gemeinsam mit drei anderen Partnern 1999 das Online-Auktionshaus Alando hochzogen - und binnen weniger Monate für rund 50 Millionen Dollar an Ebay Chart zeigen verkauften. Es folgte Unternehmen Nummer zwei, der Klingeltonversand Jamba, der beim Verkauf an den US-Kommunikationskonzern Verisign Chart zeigen 2004 bereits 273 Millionen Dollar einbrachte.

Fortan gründeten die Samwers in atemberaubendem Tempo immer neue Internet-Start-ups oder beteiligten sich an ihnen - und verdienten regelmäßig Millionen beim Ausstieg: StudiVZ, MyVideo, Bigpoint, Citydeal.

In einer Branche, in der es von Berufsvisionären und verkrachten Existenzen nur so wimmelt, haben die Samwers dauerhaft Erfolg. Sie sind klüger und fleißiger als der Rest. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn vor allem scheinen die Samwers härter und rücksichtsloser zu sein als ihre Netzkonkurrenten.

In der Internetszene staut sich seit Jahren Ärger über die Aggressivität auf, mit der die Samwers zu Werke gehen. Man versuche, Wettbewerber, so heißt es, mit rauen Methoden aus dem Markt zu drängen. Mitarbeiter würden mit überzogenen Leistungsanforderungen drangsaliert. Und viele Investoren beklagen, dass die Samwers bei allen Geschäften erstens auf den eigenen kurzfristigen Vorteil achten - und danach lange kein zweitens folgt.

"Diplomatisch ausgedrückt: Ich kann niemandem empfehlen, mit Samwer Geschäfte zu machen", sagt Ehssan Dariani, Mitgründer des Online-Portals StudiVZ, bei dem die Samwers investiert waren. "Gerade junge Uniabsolventen mit ihren Ideen laufen Gefahr, massiv über den Tisch gezogen zu werden."

Ein namhafter deutscher Wagniskapitalmanager stöhnt: "Die Samwers sind mit Blut gesäugt worden, die gebärden sich wie ein Wolfsrudel." Dann setzt er rasch hinzu: Man solle ihn auf keinen Fall zitieren. Er wolle ja auch in Zukunft noch in der Branche arbeiten.

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Kaum Konkurrenz für die Samwers
Die deutsche Wagniskapitalszene ist unterentwickelt

  • Mangelnder Mut
    Gründerfinanzierungen sind in Deutschland unter Investoren in etwa so beliebt wie Bausparverträge bei amerikanischen Häuslebauern. Gerade mal 0,27 Promille der Wirtschaftsleistung fließen hierzulande in Start-ups. Mit dieser Quote rangiert Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt; vom risiko(kapital)freudigen US-Amerika trennen Deutschland Welten.
  • Wenige Finanziers
    Es gibt kaum mehr als 30 Fonds, die Geld für deutsche Unternehmensgründer einsammeln. Sechs dieser Finanziers verwalten ein Volumen von je mehr als 100 Millionen Euro. Darunter: Earlybird, Hasso Plattner Ventures, Target Partners und Wellington Partners. Die Einlagen stammen von Privatinvestoren, Pensionsfonds, aber mitunter auch von Banken.
  • Herantastende Konzerne
    Unternehmen wie BASF, Telekom oder Siemens haben eigene Venture-Töchter, die in Spezialtechnologien investieren. Im Online-Bereich gehört neben diversen Verlagen der Versandhausunternehmer Michael Otto zu den aktivsten Investoren. Er legt sein Geld über die Fondsgesellschaft eVenture an.
  • Einsamer Vorreiter
    Fast allein stehen die Samwers mit dem Konzept, Wagniskapital mit einem eigenen Firmenbrutkasten ("Inkubator") zu koppeln. Zu den wenigen Wettbewerbern zählt der Berliner Lukasz Gadowski mit Team Europe Ventures.

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