Dienstag, 13. November 2018

Internet Die Murks-Brothers

Internet: Die Geschäftspartner der Samwer-Brüder
Dieter Mayr

6. Teil: "Ausstieg zu Höchstpreisen"

Oliver Samwer sieht da kein Problem: Gemeinsam mit Holtzbrinck habe man sich entschlossen, eine Online-Partnervermittlung mit einer weniger elitären Positionierung als Parship aufzubauen - und der Erfolg gebe eDarling recht.

Mittlerweile suchen sich die Samwers ihre Partner auch in Branchen, die mit dem Internet noch weniger zu tun haben als die klassische Medienbranche. So halten Modezar Heinz Krogner (Esprit Börsen-Chart zeigen) und Wurstfabrikant Reinhold Zimmermann (Zimbo) inzwischen die Mehrheit in ihrem Gemeinschaftsunternehmen mit den Samwers, dem Internetstore 7Trends.

Auch Karl-Erivan Haub gehört zu den Samwer-Jüngern. Der Tengelmann-Patriarch hat den Brüdern zu einer "hohen Bewertung", wie es in Branchenkreisen heißt, einige ihrer Anteile am Internetschuhversender Zalando abgekauft. Auch an weiteren Finanzierungsrunden beteiligte er sich, sodass seiner Tengelmann-E-Commerce-Gesellschaft heute rund 10 Prozent des Shops gehören. Die Umsätze bei Zalando sind zwar beeindruckend, aber die Kosten ebenso. Unterm Strich blieben dem Vernehmen nach bislang nur Miese.

Das Muster erscheint klar: "Noch bevor die Samwers einsteigen, wissen sie oft schon, an wen sie das Investment verkaufen wollen", sagt Lars Hinrichs, Gründer des Online-Netzwerks Xing und mittlerweile selbst im Wagniskapitalgeschäft tätig. "Und dieser Ausstieg gelingt ihnen dann meist zu Höchstpreisen - bevor die Schwächen des jeweiligen Geschäftsmodells sichtbar werden."

Die amerikanisch-schwedische Mobilfunk-Erbin Cristina Stenbeck (33) hat hingegen darauf geachtet, dass sie nicht nur schlecht laufende Samwer-Start-ups ins Portfolio gedrückt bekommt: Seit Mitte 2010 ist sie über ihren Wagniskapitalfonds Kinnevik mit 12 Prozent an Rocket Internet beteiligt, mittelbar also an allen Start-ups, die aus dem samwerschen Firmeninkubator hervorgehen. Nur wer sich an der ganzen Herde beteiligt, kann sicher sein, dass man ihm nicht die schlechteste Kuh andreht.

Denn gute Investments - so war es etwa im Fall von Facebook - machen die Samwers gern mal allein. Beim Einstieg der Brüder 2008 wurde Facebook mit 15 Milliarden Dollar bewertet. Bei einer Bewertung nahe 50 Milliarden Dollar haben sie ihre Anteile jetzt wieder abgestoßen. "Wir haben unsere Beteiligung an Facebook verkauft, weil wir uns auf Finanzierungen in Frühphasen und im Wachstumsbereich konzentrieren", sagt Oliver Samwer. "Facebook ist ein hervorragendes Unternehmen und von seiner Bewertung her fast schon ein börsennotiertes Unternehmen."

Mutmaßlicher Subtext: Mit ähnlich steilen Wertzuwächsen wie in der Vergangenheit ist bei Facebook nicht mehr zu rechnen. Also nichts wie raus!

Wie geht es weiter mit den Samwers? Mittlerweile haben auch die Brüder selbst erkannt, dass ihr Firmenbeschleuniger einen Gang herunterschalten muss. In Zukunft wollen sie stärker differenzieren zwischen Firmen, die schnell aufgebaut und verkauft werden, und solchen, die länger im Portfolio bleiben. Zalando, das von Alexander Samwer geführt wird, soll der Testfall für solch ein längerfristiges Engagement sein.

Im Hotel "Charles" langt Oliver Samwer in das Schälchen mit den Zuckertüten, greift sechs davon heraus, legt sie nebeneinander - und erzählt von seinem Traum. Er wünsche sich, dass weitere Partner gleichberechtigt in den Kreis der drei Brüder hineinträten. "Menschen wie Rocket-Geschäftsführer Christian Weiß zum Beispiel", sagt Samwer und deutet auf eines der Tütchen. "Mein Ziel", fährt er fort, "ist ein Verbund von Partnern, der auf gemeinsamen Werten und Zielen beruht und den Einzelnen überdauert - so wie bei McKinsey."

Dann steht Oliver Samwer auf, verabschiedet sich knapp und eilt so schnell aus der Hotelbar, wie er sie betreten hat. Um die Rechnung muss er sich nicht kümmern. Er hat ja gar nichts bestellt.

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