Freitag, 21. Juli 2017

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Druckindustrie Von der Rolle

Anpassungsprobleme: Deutsche Druckmaschinen sind immer weniger gefragt

Verpasste Chancen, verlorene Marktanteile: Der Aufschwung geht an der deutschen Druckmaschinenbranche bislang vorbei. Warum die Maschinenbauer Heideldruck und Manroland nach der verpassten Fusion nicht aus der Krise finden.

Keiner sage, Bernhard Schreier (56) habe sich in den zurückliegenden elf Jahren als Vorstandschef der Heidelberger Druckmaschinen AG nicht redlich bemüht. Um den Niedergang des einstigen Prunkstücks deutschen Maschinenbaus aufzuhalten, hat er Unternehmensteile verkauft und Vorstandspersonal ausgetauscht. Er prüfte Kooperationen und Zusammenschlüsse, nahm Staatshilfe in Anspruch, erhöhte das Kapital.

Auch vor hartem Personalabbau schreckte er nicht zurück. Bis 2012 plant Heidelberger Druck Börsen-Chart zeigen, die Ausgaben um jährlich 480 Millionen Euro zu mindern.

Jetzt will Schreier - mal wieder - den Turnaround schaffen. Außerdem hat er offenbar Führungskräfte beauftragt, weiteres Effizienzpotenzial im Konzern auszumachen.

Gerd Finkbeiner (53), Chef beim Branchenzweiten Manroland und genauso lange im Amt wie Schreier, geht augenscheinlich ebenfalls engagiert zur Sache. Vor zweieinhalb Jahren peilte er für die Offenbacher Firma einen Börsengang an, später eine Fusion. Beide Vorhaben scheiterten. Jetzt sagt er: Wir schaffen es im Alleingang. Langjährige Weggefährten zweifeln indes am Gelingen: "Finkbeiner weiß genau, dass er allein nicht überleben kann."

Schließlich Helge Hansen (63). Seit zwei Jahren führt er die Würzburger Koenig & Bauer AG Börsen-Chart zeigen (KBA). Nach tiefer Krise plant Hansen für dieses Jahr einen Minigewinn und eine zarte Dividende.

"Es droht ein Siechtum auf Jahre"

Weil das Geschäft mit Bogenoffset- und Rollendruckmaschinen so schwach ist, sucht Hansen für KBA nach einem neuen Betätigungsfeld, das dem Unternehmen nachhaltige Prosperität ermöglichen kann.

Schreier, Finkbeiner, Hansen - das ist das Trio der Traurigkeit im deutschen Maschinenbau. Während der Rest der Industrie den deutschen Aufschwung mit einem Wachstum von durchschnittlich 6 Prozent beflügelt, im Inland und Ausland zum Teil grandiose Absatzerfolge feiert, kümmern die drei Weltmarktführer der Druckmaschinenindustrie mehr oder weniger vor sich hin.

Besserung ist nicht in Sicht: "Wenn es keine einschneidenden Veränderungen gibt, droht ein Siechtum auf Jahre", sagt ein Branchenexperte.

Nicht einmal mehr Schnäppchenjägern erscheinen die drei Druckereiausrüster, die einst zweistellige Ebitmargen einfuhren, noch als lohnenswerte Ziele. "Die wird kein strategischer Investor anfassen", meint ein Investmentbanker, der sich in der Heidelberger Firma auskennt.

Der Vorgang ist einmalig in der deutschen Industrie: Eine wichtige Exportbranche verfehlt im Kollektiv das Klassenziel. Unter der Regie erfahrener, aber dennoch überforderter Manager, gestützt auf verzagte Eigentümer, entwickelte sich die Druckmaschinenindustrie geradewegs zu einem Sorgenfall.

Jetzt sind die Beteiligten ratlos. Als Ultima Ratio sehnen sie eine Schicksalsentscheidung herbei: Eines der drei Unternehmen möge endlich in die Knie gehen. Das würde bei einer geschätzten Überkapazität der Branche von rund 30 Prozent helfen. Vor einem Jahr galt die Schreier-Truppe als Umfallkandidat Nummer eins. Jetzt ist es Manroland.

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