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10.02.2011
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Epochaler Umbau
Die neuen Gegner von Bosch

Von Michael Freitag

Bosch: Die alte und neue Macht
Fotos
Thomas Dashuber

Ob Elektromobilität, Fotovoltaik, Internet: Die Nummer eins der Automobilzulieferer kämpft auf den Märkten der Zukunft gegen neue, gefährliche Gegner. Jetzt stellt sich die Frage, ob der epochale Umbruch zu einem grünen, vernetzten Konzern gelingt.

Hamburg - Alle zwei Wochen treffen sich auf der Stuttgarter Schillerhöhe fünf der mächtigsten Männer der deutschen Wirtschaft: Gastgeber im Besprechungsraum A1, oben im neunten Stock der Zentrale der Robert Bosch GmbH, ist Hermann Scholl (75). Er ist der A1, Vorsitzender des Aufsichtsrats und gleichzeitig geschäftsführender Gesellschafter des eigentlichen Machtzentrums: der Robert Bosch Industrietreuhand KG. Diese etwas eigentümliche Gesellschaft hält nur 0,01 Prozent der Bosch-Anteile, kontrolliert damit aber 93 Prozent der Stimmrechte.

Zu Scholl an den marmorierten Tisch gesellen sich Franz Fehrenbach (61), seit 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung, sein Stellvertreter, der oberste Forscher Siegfried Dais (62), und der Chef der Autosparte, Bernd Bohr (54). Der fünfte Mächtige bei diesen seit alters "Chefbesprechung" genannten Treffen ist Aufsichtsrat Tilman Todenhöfer (67), wie Scholl geschäftsführender Gesellschafter der Industrietreuhand.

Die Stuttgarter Runde steht nie in der Zeitung. Nur wenige wissen überhaupt, dass es sie gibt. Aber sie ist seit Jahrzehnten das Kraftfeld des deutschen Automobilbaus. Hier, am Tisch des A1, wurde dem modernen Turbodiesel der Weg bereitet, der elektronischen Steuerhilfe ESP und BMWs sparsamen Efficient-Dynamics-Antrieben. Und hier, zwischen Landschaftsbildern in impressionistischer Manier, sind auch der Hybrid- und der Elektroantrieb verschlafen worden.

Im A1 wurden Hybrid- und Elektroantrieb verschlafen

Genau hier, in diesem gerade mal mittelgroßen Büro mit weitem Blick auf die baumbestandenen Hügel des Stuttgarter Umlands, entscheidet sich, ob die ruhmreiche Firma, die sich für ihre 125-Jahr-Feier rüstet, den vielleicht epochalsten Umbruch ihrer Geschichte bewältigen wird: den vom führenden Automobilzulieferer, der vor allem vom Verbrennungsmotor lebt, hin zu einem grünen, zu einem vernetzten Konzern.

Einer Firma, die Elektromotoren herstellen, das Auto zu einer elektronischen Plattform aufrüsten, die Welt mit alternativen Energien versorgen und Gebäude vom Büroturm bis zum Eigenheim in intelligente Ökohäuser umbauen will. Einer aus der Führungsetage formuliert es drastisch: "Bosch muss sich in die Zeit nach dem Öl hineinretten."

Der Umbau - und das ist ein Glück - geschieht in einer Zeit, in der das Unternehmen vor Kraft nur so strotzt. Die 283.500 Mitarbeiter haben 2010 mehr Umsatz erwirtschaften als je zuvor: 47,3 Milliarden Euro. Rund 3,5 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern werden prognostiziert, eine stattliche Umsatzrendite von mehr als 7 Prozent.

Der Marktführer bei Patenten muss sich neu erfinden

Gewaltige Finanzreserven - die Bilanz weist 10,5 Milliarden Euro aus - ermöglichten auch während der Krise hohe Investitionen. Rund 8,5 Prozent des Umsatzes flossen 2010 in Forschung und Entwicklung; eine Quote, die für die meisten Konkurrenten ein Traum bleiben wird.

Auch das Image stimmt. Laut einer Umfrage des manager magazins gehört Bosch unter angehenden Ingenieuren zu den fünf begehrtesten Arbeitgebern der Republik; für die besten Studenten ist sie gar hinter Audi die Nummer zwei.

So soll es weitergehen; die Prognosen sind geprägt vom Selbstbewusstsein derjenigen, denen die Weltspitze zur Gewohnheit geworden ist. Konzernchef Fehrenbach will den Umsatz bis 2020 auf 100 Milliarden Euro steigern, sich dabei nur zu einem Drittel auf Zukäufe verlassen. Die Rendite will er dauerhaft zwischen 7 und 8 Prozent halten, den Großteil des Gewinns wie gewohnt direkt reinvestieren.

Die Besorgnis der schlimmsten Krisenmonate Ende 2008 und Anfang 2009 ist, so scheint es fast, einem Gefühl der Unangreifbarkeit gewichen.

Aber kann die traditionsreiche Bosch GmbH, die in Deutschland Jahr für Jahr die meisten Patente anmeldet, auch sich selbst neu erfinden? Das Risiko des Scheiterns ist evident, wie immer, wenn große Technologiesprünge die Märkte durcheinanderwerfen.

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