Freitag, 22. September 2017

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Manager im Film Die Feindbilder

Manager im Film: Das Kino und die Realität
Fotos
[M] AP; DPA / Sony Pictures; DPA

Ob "Wall Street 2" oder "The Social Network": Das Bild des Managers hat sich nicht nur in Hollywood gewandelt. Der strenge, aber gütige Patriarch spielt im Kino keine Rolle mehr. Heute beherrschen eiskalte Geldfetischisten die Leinwand.

Hamburg - Wegen Insiderhandels und Betrugs hatte Mr. Gekko seine acht Jahre abgesessen und auch für einige andere Sünden gebüßt, die er 1987 in "Wall Street" begangen hatte, und jetzt kam er frei und nahm das Zeug in Empfang, das man ihm acht Jahre zuvor abgenommen hatte: die Armbanduhr, das Taschentuch aus Seide, den Ring, die Geldklammer aus Gold (ohne Scheine) und das Mobiltelefon, das so groß war wie ein Oberarmknochen und so aussah wie ein Fossil.

Dann trat Gekko, von Michael Douglas wirksam gespielt, vors Gefängnistor: ein Manager in Freiheit! Und der Wind wehte, und die Mittagssonne schien über den Hudson River, und eine Stretchlimousine glitt heran, und die Tür schwang auf, und Hip-Hop-Musik drang hinaus: Doch statt Gekko warf sich ein Rapper in den Fond, schlug den Schlag ins Schloss, und als der Wagen davonschwenkte, nach links aus dem Bild hinaus, fand Gordon Gekko ein bisschen Zeit, die Dinge sacken zu lassen und den Duft der neuen Zeit zu schnuppern.

Mit dieser Szene hatte kürzlich "Wall Street 2" seine Premiere. Und die erste Frage lautete natürlich: Was ist bloß aus dem Helden der 80er und 90er geworden, der mit seinem Credo "Gier ist gut" zur Identifikationsfigur einer ganzen Generation von Bank-, Geld- und sonstigen Managern geworden war: ein Knastbruder, ein Senior, einer, den man stehen gelassen hat?

So viel ist gewiss, sowohl in der Wirtschaftsrealität als auch in ihrer -fiktion hat sich mehr verändert als nur die Größe des Mobiltelefons: "Gier", stellte Gekko bald zur eigenen Überraschung fest, "ist jetzt legal."

In den nächsten 130 Minuten machte er sich als Buchautor einen Namen ("Ist Gier gut?"), geißelte in Vorträgen das Spekulationswesen als Urgrund allen Übels ("mother of all evil") - und mischte dann doch wieder kräftig mit, und zwar dort, wo Manager von vielen Filmemachern traditionsgemäß angesiedelt werden: in der Zwischenwelt des Eben-noch-Legalen: Ein Chief Executive Officer, so lautet die Schmähung der künstlerischen Leitung, kann kein Mitglied der Heilsarmee werden.

Warum sollte sich an der üblen Nachrede auch etwas ändern - solange doch die Wirklichkeit ständig neue Abschreckungen hervorbringt, aus deren Hinterlassenschaften blaue Fliegen brummend steigen: Betrüger wie Bernie Madoff, Ölige wie der HSH-Nordbank-Bilanzfiligran Dirk Jens Nonnenmacher, Sal.-Oppenheim-Bestatter Graf von Krockow oder Klaus Hubert Görg, ein Insolvenzverwalter der zügellosen Sorte, der 32 Millionen Euro für die Abwicklung des Krämerkonzerns Karstadt in Rechnung stellte, in aller Schicklichkeit natürlich und gemäß Gebührenordnung.

Und doch gibt es in der Kunst, wie Manager vorgeführt werden, neuerdings einen wesentlichen Unterschied: Reichtum selbst möbliert nur noch die Kulissen, er dient als Projektionsfläche für größere Fragen als jene: Was kann ich mir für all den Zaster eigentlich kaufen? Um Moral statt Mammon dreht es sich auf der Leinwand und um die Verantwortung des Wirtschaftsmannes für das Gemeinwesen - und darum, wie selten er ihr angeblich gerecht wird (siehe Interview mit Dieter Wedel).

Wofür Gekko das Geld braucht, hinter dem er her ist, spielt weder eine Rolle noch möchte es der Zuschauer wissen. Klar ist nur: Je komplizierter es ist, die Milliarden zu machen, desto sicherer ist er, dass er sie braucht. Im Halluzinationsraum Kino ist das Geld zum Selbstzweck, zum Fetisch, geworden.

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