Mittwoch, 14. November 2018

Schlecker-Interview "Das ist sicher ein Kraftakt"

"Wir bestimmen ganz selbstverständlich mit": Meike und Lars Schlecker
Benno Kraehahn
"Wir bestimmen ganz selbstverständlich mit": Meike und Lars Schlecker

Die zweite Generation blieb lange im Hintergrund und hat jetzt Verantwortung übernommen. Die jungen Schleckers sprechen erstmals über ihre Sanierungspläne des Drogerieimperiums und über die Rolle ihre Eltern.

mm: Sie beide geben zum ersten Mal ein Interview - und das auch noch ohne Ihre Eltern. Gehen Anton und Christa Schlecker aufs Altenteil?

Lars: Nein, es ist kein Wechsel und kein Rückzug der Eltern. Wir beide treten jetzt nach außen auf, weil wir in der Kommunikation unsere Eltern unterstützen wollen. Das ist auch eine Übernahme von Verantwortung.

mm: Ihr Vater bleibt weiter Alleineigentümer, Sie sind seine Angestellten. Welche Möglichkeiten haben Sie, Ihre Meinungen durchzusetzen?

Lars: Wir sind beide mit ihm und unserer Mutter in der Geschäftsleitung. Wir bestimmen ganz selbstverständlich mit. Es war unsere Idee, dass die Firma jetzt mehr in die Öffentlichkeit geht. Da gibt es keinen Dissens.

mm: Ist Ihnen die Zeit nicht lang geworden, bis Sie endlich randurften?

Lars: Wir haben das nicht als Wartezeit empfunden. Zudem sind wir ja beide schon lange im elterlichen Unternehmen tätig.

mm: Nach außen sind Sie bislang aber wenig in Erscheinung getreten. Was haben Sie im Unternehmen gemacht?

Meike: Wir haben uns in der Anfangsphase beide auf den Bereich Online konzentriert, den wir entwickeln konnten. Mein Bruder kommt vom Marketing, ich eher von der Finanzseite. Wir ergänzen uns da ganz gut. Andererseits sind wir sehr generalistisch mit allen Bereichen des Hauses vertraut gemacht worden. Und natürlich kümmern wir uns auch intensiv um das stationäre Geschäft.

mm: Durften Sie bisher schon bei strategischen Entscheidungen mitreden?

Lars: Wir waren und sind bei allen wichtigen Themen dabei. Und wir entscheiden immer gemeinsam als Familie.

mm: Wie oft trifft sich die Familie zu gemeinsamen Sitzungen?

Meike: Wir haben ein fixes Meeting am Montagnachmittag. Da sind wir zu dritt, mein Vater und wir beide. Aber ansonsten sind die Wege sehr kurz. Wir sitzen alle hier auf demselben Flur. Da ruft man schon mal kurz ins andere Büro hinüber. Wir sehen uns also fast jeden Tag - es sei denn, unsere Eltern sind auf Reisen.

mm: Gehen denn Ihre Eltern künftig noch auf ihre wöchentliche Inspektionstour durch die Läden?

Meike: Ja, das wird so bleiben. Jeden Donnerstag fahren sie los.

mm: Fährt künftig jemand von Ihnen mit?

Meike: Nein, aber mein Bruder wird mehr draußen unterwegs sein als ich.

Lars: Auch ich werde unsere Läden besuchen, um mir vor Ort eine Meinung zu bilden.

mm: War denn von Anfang an klar, dass Sie beide im Unternehmen Verantwortung übernehmen würden?

Meike: Wir sind beide mit dem Unternehmen aufgewachsen. Als wir noch Kinder waren, wurde uns immer vom Geschäft erzählt.

Lars: Ich erinnere mich noch gut, wie wir sonntags häufig in die alte Zentrale mitgingen. Dort hat uns unser Vater alles erklärt.

mm: Ihre Eltern haben das Unternehmen aufgebaut. Wann werden sie aufhören?

Meike: Solange sie wollen, dürfen sie weitermachen. Hier gibt es genug zu tun.

Lars: Oft hört man in anderen Familienunternehmen: Jetzt redet der Alte immer noch hinein. Für mich ist das kein Hineinreden, sondern ein Ratgeben.

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