Sonntag, 17. Februar 2019

Weinpapst Robert Parker Die Millionen-Dollar-Nase

Kompetenz am Glas: Robert Parker nimmt eine Geruchsprobe

Seine Nase soll für eine Million Dollar versichert sein, seine Bewertungen können Winzer reich machen oder ruinieren. Robert Parker ist der einflussreichste Weinkritiker der Welt. Im Interview mit manager magazin verrät er, was er von Fruchtbomben hält, welche Rebsorten unterschätzt werden - und was man für einen gute Flasche Wein maximal ausgeben sollte.

mm: Herr Parker, die Leute nennen Sie "The Million Dollar Nose" und "Wine Pope". Welcher Name gefällt Ihnen besser?

Parker: Eigentlich gefällt mir keiner von beiden - obwohl ich natürlich weiß, wie so ein Name entsteht.

mm: Zum einen soll Ihre Nase für über eine Million Dollar versichert sein, zum anderen gelten Sie als der einflussreichste Weinkritiker der Welt. Ihre Bewertungen können Winzer reich machen oder ruinieren. Weinbauer und Weinhändler versuchen doch bestimmt, Einfluss auf Ihre Wertungen zu nehmen.

Parker: Ich habe mich niemals wirklich damit beschäftigt, dass Weinhersteller versuchen würden, mich zu beeinflussen. Nicht, dass ich naiv wäre, es ist nur so, dass man mich als echten Profi kennt, der eine Menge Fragen stellt und den Wein nach der Abfüllung auch aus verschiedenen Flaschen verkostet.

mm: Man kann Ihnen keinen edlen Tropfen unterjubeln?

Parker: Nein. Natürlich sind die Leute freundlich zu mir, aber ich versuche doch eine Armlänge Abstand zu den meisten Produzenten zu wahren, und ich nehme nur selten eine Bewirtung an - die heute im Übrigen auch nur selten angeboten wird.

mm: Kritiker der Weinkritiker behaupten, dass diese nur die besten Flaschen testen, die der gewöhnliche Verbraucher niemals zu kaufen bekäme.

Parker: Das stimmt überhaupt nicht.

mm: In Deutschland redet man vom Parkerisieren, wenn Winzer versuchen, einen Wein zu keltern, der Ihren Geschmack trifft, also einen recht hohen Alkoholgehalt hat und eichig schmeckt. Wird der Wein durch die Parkerisierung besser, oder leidet nicht vielmehr seine Vielfalt?

Parker: "Parkerization", das deutsche "Parkerisieren" oder auch das französische "Parkeriser" scheint mir einfach nur die Tatsache auszudrücken, dass ich der wichtigste Weinkritiker meiner Generation bin. Meine breiten und ganz verschiedenen Geschmacksvorlieben machen es jedoch unmöglich, nach einer Formel einen Wein herzustellen, den ich unter Garantie mögen würde. Dass ich übereichigen Wein mögen würde, der nach der Gärung noch in Eichenholzfässern gereift ist, ist ein Gerücht. Und jeder kann dies in meinen mittlerweile 15 Büchern nachprüfen oder in den rund 190 Ausgaben des "Wine Advocate", die ich publiziert habe. Man hat auch behauptet, dass ich Weine mit hohem Alkoholgehalt mögen würde oder sogenannte Fruchtbomben-Weine. Das sind alles Märchen, verbreitet von albernen Leuten, die Nuancen nicht verstehen und die jemanden nach Schwarz-und-Weiß-Klischees beurteilen.

mm: Haben sich Ihre Weinvorlieben in den vergangenen Jahren verändert?

Parker: Nein, allerdings hat sich mein Gaumen sozusagen verbreitert, in dem Maße, in dem immer mehr Weingüter Weine in Spitzenqualität herstellen, angefangen vom südlichen Italien über Australien und Südafrika bis zu abgelegenen Gegenden Spaniens. Dies gilt auch für die Sauvignon Blancs, Carménères und Cabernet Sauvignons aus Chile und die Malbecs aus Argentinien.

mm: Wann ist ein Wein nach Ihrem 100-Punkte-System eine gute Investition, bei 90 Punkten, bei 95?

Parker: Ich glaube nicht, dass der Wunsch, Geld anzulegen, ein guter Grund ist, Wein zu kaufen - wenngleich Leute meine Auswertungen dazu genutzt haben und ich auch vermute, dass dies zu ihrem Vorteil war, besonders was jungen Bordeaux in Spitzenlagen betrifft. Aber Wein sollte getrunken werden, gemeinsam mit Freunden und Bekannten.

mm: Der Weinmarkt ist gekennzeichnet durch ein großes Angebot sogenannter Coca-Cola-Weine, die den Massengeschmack treffen, von guter Qualität, aber doch langweilig sind, und von wahrhaften Weltklasseweinen, die in geringen Mengen angeboten werden. Kann der durchschnittliche Winzer überleben?

Parker: Ich kenne keinen Kleinhersteller, der Weltklasseweine macht und dem es finanziell nicht ziemlich gut ginge. Natürlich wird es immer eine industrielle Weinproduktion geben. Aber ich glaube, selbst in der schwierigen wirtschaftlichen Lage heute gibt es mehr Kleinhersteller, denen es gut geht, besser als in der Vergangenheit.

mm: Frankreich, sagt man, sei die Weinnation schlechthin. Was meinen Sie?

Parker: Ich neige dazu, dem zuzustimmen. Wenn Sie die außergewöhnliche Küche und ihre regionalen Variationen, die Vielfalt der Weine in Betracht ziehen, dann ist es schwierig zu bestreiten, dass Frankreich das Weinland schlechthin ist. Dazu kommt die lange Geschichte der dortigen Weinherstellung und besonders die Tatsache, dass die Winzer den Orientierungs- und Bezugspunkt für viele der weltweit bedeutendsten Rebsorten bilden: Pinot Noir, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Grenache, Sauvignon Blanc, Chenin Blanc.

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