Montag, 17. Dezember 2018

Steuern sparen mit Stiftungen Über alle Berge

Fluchtpunkt: Deutsches Vermögen in österreichischen Stiftungen
DPA

Mal wieder reden Politiker über Steuervereinfachungen - und warten vergeblich auf Kapitalrückflüsse aus dem Ausland. Haribo-Chef Hans Riegel ist einer von vielen, die ihr Vermögen in Österreich bunkern. Denn Stiftungen dort sind für Deutsche steuergünstig wie nie zuvor.

In der Hans-Riegel-Straße in Bonn riecht sogar die Luft nach Lakritze. Seit 1920 kocht Haribo hier seine Süßwaren, ein blendendes Geschäft.

In Jassingau in der Steiermark dagegen erinnert nichts an Lakritzschnecken und Goldbären, auch eine nach dem Haribo-Gründer benannte Straße sucht man dort vergebens. Dabei hätte das Dorf allen Grund, eine Prachtstraße nach Hans Riegel zu benennen. Denn der gleichnamige Sohn des Haribo-Erfinders wird sein Vermögen hier in diesen Ort bringen.

Das steirische Nest ist allerdings so klein, dass es nicht einmal Straßennamen gibt. Daher haben Riegels Privatstiftung und seine Holding als Adresse nur den Ortsnamen und eine Hausnummer, die 23. Wenig mondän und beeindruckend ist auch das im Jahresabschluss 2009 genannte Eigenkapital der Holding von 25.153,89 Euro.

Grund der Bescheidenheit: Derzeit ist Riegel noch persönlich Besitzer seines Vermögens - und managt es mit Freude. "Nur noch auf meinem Landgut in Österreich auf die Jagd zu gehen oder im Whirlpool zu liegen wäre mir zu langweilig", sagt er. Mehr lässt sich in Jassingau aber beim besten Willen nicht machen.

Riegels irdische Güter sollen daher erst nach dem Ableben seines Besitzers in die Stiftung eingehen. Vor wenigen Wochen hat der 87-Jährige das letzte Hindernis für seinen Nachlassplan aus dem Weg geräumt: Mit den Söhnen seines Bruders Paul einigte er sich auf die Teilung der Macht im Süßwarenkonzern. Dafür darf Onkel Hans seine Hälfte an der Haribo Holding GmbH dereinst in seine Privatstiftung in Österreich überführen.

Der Schritt nach Österreich ist auf den ersten Blick überraschend. Denn die Steuerregeln für Stiftungen sind hierzulande so günstig wie nie zuvor. Seit dem vergangenen Jahr können Deutsche ein Unternehmen an die Erben oder an eine Stiftung weitergeben, ohne einen Cent Erbschafts- oder Schenkungssteuer zu zahlen.

"Wir haben seit der Erbschaftssteuerreform vor anderthalb Jahren eine ungewöhnliche Situation", sagt Mark Binz, Rechtsanwalt in Stuttgart und Partner der auf Familienunternehmen spezialisierten Kanzlei Binz & Partner. "Heute ist es möglich, Unternehmensanteile steuerfrei zu verschenken und zu vererben. Das hat es noch nie gegeben, und das wird es vermutlich auch in wenigen Jahren nicht mehr geben."

Deutschlands Unternehmerfamilien beeilen sich, die günstige Rechtslage auszunutzen. "Unternehmer übertragen jetzt ihr Vermögen, weil sie fürchten, dass der Gesetzgeber in wenigen Jahren die Steuerregeln ändert und dann wieder Erbschafts- oder Schenkungssteuer gezahlt werden muss", so Stephan Schauhoff, Partner bei der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg in Bonn.

Das lässt die Zahl der Stiftungen merklich anschwellen: In den vergangenen drei Jahren wurden in Deutschland mehr als 3000 gegründet - trotz Finanzkrise. Die Statistik des zuständigen Bundesverbands kommt inzwischen auf mehr als 17.000 Stiftungen; lediglich 500 davon seien Unternehmensstiftungen, also mit einem Betrieb eng verbunden, sagt Rechtsanwalt Binz.

Dennoch geht der Fiskus hierzulande nicht völlig leer aus: Bei familieneigenen Stiftungen wird nach 30 Jahren die Erbersatzsteuer fällig. Um diese Steuer von maximal 30 Prozent des Vermögens zu umgehen, fliehen viele Clans über die Grenze nach Österreich und gründen eine Privatstiftung. Dort gibt es die Erbersatzsteuer nicht. Sogar die Erbschaftssteuer ist abgeschafft. Möglich wird die legale Landesflucht durch eine Änderung im deutschen Außensteuergesetz, die Brüssel im vergangenen Jahr durchsetzte. "Weil seit 2009 die Freizügigkeit im Außensteuergesetz steht, ist die österreichische Privatstiftung für Deutsche wieder attraktiv geworden", so Rechtsanwalt Binz.

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