Samstag, 22. Juli 2017

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USA Uncle Sam's Blues

Harte Nuss: Erhöhte Arbeitslosigkeit, eine immense Schuldenlast und gegenseitiges Misstrauen der politischen Führung erschweren die Erholung der US-Wirtschaft

Die Wirtschaft in der Dauerkrise, die Gesellschaft zerrissen, die Politik blockiert: Amerika findet nicht zu Wachstum - und droht seine inneren Konflikte nach außen zu tragen.

Mitch Daniels hat das Jackett abgelegt. Es ist noch sehr warm in Indianapolis - ein heißer Herbst in der Mitte Amerikas. Und was er zu sagen hat, das klingt nach harter Arbeit und nach Zumutungen, überhaupt nicht nach "Hope" und "Change", den Schlagworten Barack Obamas im Wahlkampf vor zwei Jahren.

"Unsere Nation steht vor enormen Herausforderungen. Wir müssen Veränderungen vornehmen, die viele für unmöglich halten." Radikale Kürzungen der Sozialbudgets seien unausweichlich, wenn Amerika der Staatspleite entkommen und nicht als "das nächste Griechenland" enden wolle. Ob die Wende gelinge, sei offen: "Wir betreten Neuland."

Schwerwiegende Sätze, die Mitch Daniels da mit ruhiger Stimme ausspricht. Der Gouverneur des Bundesstaates Indiana lehnt sich im Sessel zurück, ein Mann von bescheidener Körpergröße, aber beeindruckender Präsenz. Wenn er sich den Bürgern nähern will, fährt er mit seiner Harley über Land. Zum Übernachten lädt er sich gern in die Gästezimmer von Privatleuten ein. Kann dieser Mann der nächste Präsident der USA werden?

Viele drängen ihn zu kandidieren. Er selbst sagt, er habe sich noch nicht entschieden. Doch er lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er sich das höchste Regierungsamt zutraut und dass er auch einen Plan hat.

Mitch Daniels (61), ehemals Topmanager, ehemals Budgetdirektor unter George W. Bush, gemäßigter Republikaner, seit sechs Jahren Regierungschef von Indiana, ist eine Art Gegenmodell zur derzeitigen Washingtoner Politik: ein nüchterner Macher, der seine Gedanken mit zurückhaltender Geste vorträgt - ganz anders als der demokratische Prediger Barack Obama. Ein kluger Pragmatiker, unideologisch und ergebnisorientiert - ganz anders als Sarah Palin, deren populistische "Tea Party"-Bewegung die Republikanische Partei derzeit immer weiter ins irrationale Rechtsaußen drängt.

Vor allem aber: Mitch Daniels ist erfolgreich. Wie ein CEO führt er Indiana, einen Staat inmitten des ansonsten leidenden Herzlands Amerikas. Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit, Stärkung der Industrie, Exportorientierung, strikte Ausgabendisziplin - darum dreht sich Daniels Denken. Eine angebotsorientierte Standortpolitik, die in seinem Staat Früchte trägt. Und die er auf die gesamten USA übertragen möchte.

Corporate America wünscht sich sehnlichst eine Figur wie Mitch Daniels auf der nationalen Bühne. Denn zur Halbzeit von Obamas Amtszeit hat sich tiefe Frustration im Land festgesetzt.

"In Washington blockieren sich derzeit die Parteien in einer Form, wie ich das in all meinen Jahren in den USA noch nicht beobachtet habe", sagt der frühere Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld (52), heute Chef des Aluminiummultis Alcoa Börsen-Chart zeigen mit Sitz in New York. Im Kongress haben Demokraten und Republikaner jede Bereitschaft zur Zusammenarbeit aufgegeben. Die Regierung hat sich als wirtschaftsfern und bislang erfolglos erwiesen; ihr akademikerlastiges Wirtschaftsteam löst sich gerade selbst auf.

Und nach den Halbzeit-Wahlen am 2. November, die Obama und seine Demokraten krachend verloren haben, ist eine Blockade von Präsident und Parlament erst recht absehbar. Die oppositionellen Republikaner haben nun alle Mittel in der Hand, sich in reiner Obstruktionspolitik gegen den ungeliebten Präsidenten zu üben.

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