Dienstag, 13. November 2018

Wirtschaftskrimis Mord auf der Chefetage

Geprellte Bankkunden wie im Fall Bernard Madoff, kriminelle Machenschaften im Siemens-Konzern oder korrupte Unternehmensberater: Den spannendesten Stoff bietet das Leben respektive die Wirschaft selbst. manager magazin stellt fünf Krimis vor, die realitätsnah in verschiedenen Milieus der Wirtschaft spielen.

Wirtschaftskrimis: Bestechung und Betrug, Habgier und Geltungssucht - viele Autoren finden ihren Stoff in der Wirtschaft
Erst gab es nur friedliche Demonstrationen an der Südspitze Manhattans, wo sich die globale Finanzelite in ihren Bürotürmen verschanzt. Die Demonstranten trugen Schilder, auf denen Parolen wie "We will get you" oder gar "Kill 'em all" standen. Geprellte Bankkunden schrien so ihren Unmut über die Folgen der Finanzkrise hinein in die Häuserschluchten der Wall Street.

Die von oben herabschauenden Banker waren not amused, fühlten sich aber vor dem Mob unten auf der Straße sicher. Bis zum 27. September 2009. Dann geschah das bis dahin Unglaubliche: Donald F. Kramer, Chef der Carolina Bank, wird in seinem Büro auf der 41. Etage des World Finance Centers erschossen.

Alles nur Schall und Rauch. Der Mord fand in Wirklichkeit nicht statt. Erfunden hat ihn Schreibtischtäter und Ex-Banker Markus Will in seinem Krimi "Bad Banker", in dem er die globale Finanzkrise aufarbeitet. Will liegt mit seinem mörderischen Opus voll im Trend: Die Wirtschaft mit all ihren Krisen und Skandalen wird immer mehr zum Objekt von Krimiautoren. Dabei rückt die Fiktion der Realität immer näher, ja manchmal verwischen gar die Grenzen zwischen Erfundenem und Realem. Will spricht aus Erfahrung: "Ich wurde beim Schreiben mehrmals von der Realität eingeholt."

So glaubte er lange Zeit nicht, dass ein Banker mehr als zehn Milliarden Dollar veruntreuen kann. Und dann kam plötzlich während seiner Schreibphase die Meldung, dass der Amerikaner Bernard L. Madoff Investoren um sage und schreibe 65 Milliarden Dollar betrogen hatte. Weil immer neue, unglaubliche Storys aus der realen Welt Markus Will erreichten, musste er immer mal wieder Passagen seines Buches umschreiben.

Spannende Zeiten also für Autoren von Kriminalromanen, denen Wirtschaftskriminelle fast täglich immer neuen Stoff liefern: Betrug, Steuerhinterziehung, Unterschlagung, Kartellbildung und Korruption - die ganze Palette illegalen Handelns findet inzwischen auf Vorstandsetagen und den Ebenen darunter statt.

Nur ein Delikt ist - Gott sei Dank - eine seltene Ausnahme: Mord. In den Kriminalromanen dagegen fließt das Blut. Ein oder mehrere Morde gehören dort einfach dazu, wie auch eine Prise Sex.

Wir haben zur Lektüre fünf Krimis ausgewählt, die - bis auf die Morde - sehr realitätsnah in verschiedenen Milieus der Wirtschaft spielen:

  • In "Machtrausch" beschreibt der Siemens-Manager Rainer Koppitz die kriminellen Machenschaften in einem Konzern, die letztendlich zum Sturz des Vorstandschefs führen;
  • in "Turnaround" taucht der Ex-Consultant Fritjof Karnani ein in die Welt einer korrupten Unternehmensberatung;
  • in "Das System" geißelt der Ex-McKinsey-Berater Karl-Ludwig von Wendt alias Karl Olsberg die tödlichen Gefahren einer totalen globalen Vernetzung von Unternehmen und Institutionen;
  • in "Bad Banker" verarbeitet der Kommunikationsberater Markus Will (früher bei Deutsche Morgan Grenfell und Merrill Lynch) die Finanzkrise zu einer Kriminalstory und
  • in "Headhunter" macht Jo Nesbø den arroganten Personalberater Roger Brown zum Kunstdieb und Mörder.

Bis auf den norwegischen Erfolgsautor Jo Nesbø sind die Autoren alle nebenberufliche Schreiberlinge. Fast alle setzten sich frühmorgens zwischen fünf und sieben Uhr an ihren Laptop, um vor ihrer eigentlichen Arbeit Zeile für Zeile, Seite für Seite zu produzieren. Alle haben einen "richtigen" Beruf, alle haben interessante Jobs in der Wirtschaft. Sie haben also Ahnung von wirtschaftlichen Vorgängen, was ihren Werken die nötige Authentizität verleiht.

Und auch Jo Nesbø - das mag viele seiner Fans überraschen - hat eine wirtschaftliche Vergangenheit. Er war einst nach seinem Studium an der Handelshochschule in Bergen ein paar Jahre Börsenmakler bei DnB in Oslo. Jetzt hat er mit "Headhunter" seinen ersten Krimi aus dem Wirtschaftsmilieu geschrieben - und landete prompt wieder einen Bestseller.

Krimistorys aus Vorstandsetagen bereiten den Lesern offenbar einen Mordsspaß.

© manager magazin 9/2010
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