Freitag, 20. Oktober 2017

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Kik-Besitzer Stefan Heinig Ramsch ist sein Leben

Kik, Tedi, Woolworth: Deutschlands Ramschkönig
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KiK

Kik, Tedi und nun Woolworth - Stefan Heinig liebt es billig, billig. Sein Geschäft mit günstigen Textilien hat ihn wohlhabend gemacht. Schlechte Kritiken scheinen oft an ihm abzuperlen. Doch wie tickt der umstrittene Selfmademan?

Einen Diplomaten wird man aus Jost Stefan Heinig (47) wohl nicht mehr machen können. Auch dass er dereinst als Schlichter in einem Tarifstreit vermittelt, ist schwer vorstellbar.

Der Gründer und Chef des Textildiscounters Kik provoziert und polarisiert, er gilt als rigoroser Kostendrücker, seine Methoden sind umstritten. Man schilt ihn einen Sklavenhalter und Ausbeuter.

Heinig, das wird im Gespräch rasch deutlich, sieht sich zu Unrecht angeprangert. Schließlich gibt er bei Kik 18.000 Menschen Arbeit.

Sicher ist: Die Anfeindungen sind der Preis für seinen wirtschaftlichen Erfolg. Gäbe es die D-Mark noch, wäre der 1,90 Meter messende Schlaks, den Mitarbeiter und Geschäftspartner fast nur in Jeans, Shirt und Turnschuhen kennen, wohl schon fast Milliardär.

1994, als gerade mal 31-Jähriger, gründete er Kik. Mit dem Geld der Tengelmann-Gruppe, die noch heute die Mehrheit hält, baute Heinig ein Unternehmen auf, das mit 2950 Filialen in sechs Ländern 1,5 Milliarden Euro umsetzt.

2004 eröffnete er, wiederum gemeinsam mit Tengelmann, die ersten von mittlerweile gut 1000 Läden des Ein-Euro-Discounters Tedi. Und nun wagt er sich mit demselben Partner an sein drittes Ladenformat, die aus der Insolvenz geretteten 162 deutschen Billigwarenhäuser der Traditionsmarke Woolworth Börsen-Chart zeigen.

Kik, Tedi, Woolworth - kein Zweifel: Heinig ist Deutschlands ungekrönter Ramschkönig. Ob er den Titel als ehrenrührig empfindet? Bei der Frage zucken die Damen seiner Kommunikationsabteilung zusammen. Doch Heinig selbst verneint. Er weiß, dass bei Kik ("Komplett einkleiden für unter 30 Euro") fast durchweg die ärmeren Leute einkaufen. Zum Teil heruntergekommene, mit T-Shirts bis zur Größe 6XL vollgestopfte Läden in schreiendem Corporate-Identity-Rot schrecken nicht nur Ästheten ab.

Anders als Aldi hat Kik die bessere Kundschaft noch nicht erreicht. Ob daran der Werbeauftritt der Grammatikkünstlerin Verona Pooth, geborene Feldbusch ("Kik - besser als wie man denkt"), etwas ändern kann, scheint fraglich.

Eher schon klientelaffin schien das Trikotsponsoring bei Arminia Bielefeld, Werder Bremen, Hansa Rostock und dem VfL Bochum. Doch Knauserei auch hier: Als die Bremer nach zwei guten Spielzeiten mehr Geld wollten, beendete Heinig das Werder-Engagement, das Kik erst richtig bekannt gemacht hatte.

Was treibt Stefan Heinig an, abgesehen von seinem Sparfimmel? Wie hat er so viele Menschen gegen sich aufgebracht? Und warum fällt es ihm so schwer, seine guten Seiten zu kommunizieren?

© manager magazin 8/2010
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