Montag, 10. Dezember 2018

Kik-Besitzer Stefan Heinig Ramsch ist sein Leben

Kik, Tedi, Woolworth: Deutschlands Ramschkönig
KiK

4. Teil: Direkte Führung bei flacher Hierarchie

Die Negativpublicity ist letztlich auch Folge von Heinigs Managementstil. Bei flacher Hierarchie führt er sehr direkt. Eigentlich will er sich um alles kümmern, und weil das in der Realität nicht funktioniert, geht eben manches daneben - und gerade das gerät dann auch noch an die Öffentlichkeit, zuletzt geballt.

Im April 2010 sah sich Heinig veranlasst, in mehreren Schüben 1000 Verkaufsleiter, Vertriebsassistenten, Bezirksleiter und Zentralmitarbeiter in Bönen zusammenzurufen, um "Unwahrheiten von Dritten" entgegenzutreten. Da ein genügend großer Raum fehlte, ließ er auf dem Firmengelände ein Zelt aufbauen. Seinen Leuten gegenüber zeigte er sich einsichtig: "Es steht außer Frage, dass wir in der Vergangenheit den einen oder anderen Fehler gemacht haben und auch zukünftig noch welche machen werden, aber niemals werden wir dies bewusst tun."

Als Herzensangelegenheit, die aber natürlich auch den Ruf der Firma verbessern soll, bezeichnet er die von Kik eingerichtete Stiftung Help and Hope, die Kinder in Not unterstützt.

Nonkonformist wie Einzelkämpfer, verfügt Heinig über kein allzu dichtes Netzwerk in der Wirtschaft. Gute Kontakte pflegt er zu einer Handvoll Unternehmern, die ebenfalls erfolgreiche Einzelhandelsformate geschaffen haben - wie etwa Torsten Toeller (44) vom Tierfutterfilialisten Fressnapf oder Peter Pohlmann (67), Gründer des Möbeldiscounters Poco. Im Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf engagiert er sich gemeinsam mit Albrecht Woeste (74), dem früheren Henkel-Kontrolleur, für die Finanzen des Profifußballklubs.

In seinen eigenen Firmen setzt Heinig vor allem auf langjährige Vertraute, die ihm schon bei Modea zugearbeitet haben. Dazu gehören Kik-Personalgeschäftsführer Heinz Speet (51) und Frank Oesterling (46), den Heinig als Chef in die Neugründung Tedi entsandte. Oder auch der langjährige Vertriebsgeschäftsführer Hans-Dieter Schindel (46), der am 1. Juli 2010 die Verantwortung bei der Warenhauskette Woolworth übernahm.

Zu seinen engen Gesprächspartnern zählt er auch Charly Haub - jenen Unternehmer, der ihm einst das Geld gab und ihn machen ließ, ohne ihm ständig hineinzureden. Heinig und Haub träfen sich, so heißt es bei Kik, "regelmäßig unregelmäßig". Manche sprechen von einer fast perfekten Symbiose.

Es fällt allerdings auf, dass der Kik-Gründer den Tengelmann-Eignern keine Mehrheitsbeteiligungen mehr einräumt, seitdem sein Selbstbewusstsein und sein Wohlstand in höhere Sphären entrückt sind. Bei Tedi und nun auch bei Woolworth durften sich die Mülheimer nur noch mit je rund einem Drittel beteiligen.

Für Haub bedeutet das Kik-Engagement fast die einzige ergiebige Geldquelle. Man munkelt von 15 Prozent Umsatzrendite vor Steuern - dank Heinigs Preisdrückerei im Einkauf und seines knallharten Kostenmanagements eine Benchmark im Einzelhandel.

Haub, dem zweifellos das Verdienst zukommt, Heinig für Tengelmann entdeckt zu haben, genießt es, als Konzernchef den Erfolg von Kik verkünden zu dürfen. Das fügt sich, denn sein bester Mann ist froh, wenn er nicht öffentlich auftreten muss. Ebenso wie Pressekonferenzen meidet Heinig Branchenkongresse oder Empfänge. Lieber mehrt er seine Muskeln im Kraftstudio, schwimmt oder läuft. Den New York Marathon absolvierte er mit Freunden.

Früher wirkte er als Fußballschiedsrichter in der Oberliga, als Mann an der Seitenlinie sogar in der Ersten und Zweiten Bundesliga. Dabei lernte er, "Entscheidungen zu fällen, denen nicht jeder applaudiert". Andere sagen, er gehe mit dem Kopf durch die Wand oder sei gar ungehobelt. Unkonventionell ist er in jedem Fall, genau wie sein Vorgehen.

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