Sonntag, 2. August 2015

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Deutsche Post DHL Kunde statt Chaos

Segen von oben: Nach Jahren der Umbauten will Post-Chef Frank Appel Kontinuität ins Management bringen - und die Macht teilen

4. Teil: Hoffnungsvolle Projekte

Zurück zu den Wurzeln, das heißt auch hier: wieder mehr Verantwortung in die Regionen geben. "Dieses Geschäft kann nur dezentral geführt werden", glaubt Allen. Die Europa-Zentrale in Brüssel hat er deshalb aufgelöst - sie erschien ihm schlicht überflüssig.

Ob DHL Express die Wende schafft, hängt weiterhin am US-Geschäft. Um internationale Transporte von und nach Amerika kommt der Global Player nicht herum. Doch der Verlust soll künftig in Grenzen bleiben, bei maximal 400 Millionen Dollar jährlich. "Wir liegen schon jetzt darunter", frohlockt Allen. Für die aufwendigen Zustelldienste abseits der Ballungsräume spannt DHL jetzt kostensparend die Staatspost USPS ein. "Das hätten wir von Anfang an tun sollen", meint Allen - und stichelt damit gegen die alte Zumwinkel-Doktrin, die auf universelle Präsenz mit eigenen Kräften abzielte.

Kämpfen muss auch die größte DHL-Division, die Kontraktlogistik, im Hausgebrauch "Supply Chain" genannt. Sie ordnet nach mehrjährigen Verträgen die Warenströme von Unternehmen, unterhält Lagerhäuser und managt Transporte. Schieres Tonnendenken hat dem Bereich schwer geschadet. So wurden in den vergangenen Jahren viele Aufträge angenommen, die nur den Umsatz aufblähten, aber wenig Deckungsbeitrag einbrachten. Nach zwei Verlustjahren soll der Bereich jetzt wieder schwarze Zahlen schreiben.

Am besten steht noch die Speditionsdivision ("Forwarding") da, der Weltmarktführer bei Luft- und Seefracht. "Wir haben immer ordentlich verdient", betont Vorstand Hermann Ude. Trotzdem wies der Bereich in der Vergangenheit deutlich niedrigere Umsatzrenditen aus als Wettbewerber wie Kühne + Nagel Börsen-Chart zeigen. Ude will das aber bald abgestellt haben.

Weltmarktführer: Bei Luft- und Seefracht hat die DHL immer ordentlich verdient
Wenn es um DHL ging, war früher viel von Synergien und One-Stop-Shopping die Rede - der Vorstellung, die Kunden würden am liebsten alles aus einer Hand kaufen. Beide Schlagworte sind entzaubert, jetzt sogar offiziell. "Jede Division muss erst einmal aus sich heraus erfolgreich sein", verlangt Konzernchef Appel. Drei Viertel des Potenzials für bessere Ergebnisse stammten aus den Divisionen selbst, nur ein Viertel stecke in einer besseren Kombination der Kräfte und neuartigen Dienstleistungen.

Ein paar hoffnungsvolle Projekte zeigt aber auch Appel gern vor. So organisiert ein Logistikzentrum am Londoner Flughafen die Belieferung sämtlicher Airport-Shops. Statt unzähliger Kleinlaster fährt jetzt nur noch ein DHL-Fahrzeug die Geschäfte an. "Konsolidierung" nennt sich dieses Modell, das die Post gemeinsam mit Siemens Börsen-Chart zeigen auf Ballungsräume in aller Welt ausdehnen will.

Verheißungsvoll wirkt auch das britische DHL-Projekt, für alle staatlichen Krankenhäuser den Einkauf und die Belieferung zu übernehmen und so womöglich Milliarden zu sparen.

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