Montag, 20. November 2017

Hobbywinzer Die Weinseligen

Weingüter: Der Reiz der Ernte
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DDP

3. Teil: "Der Weinbau lehrt bodenständiges Wirtschaften"

Ansonsten verfolgen die managementerfahrenen Weinbauern jedoch unterschiedliche Ziele. Burkhard Schuchmann zum Beispiel perfektioniert uralte Ausbautechniken: Die edelsten Tropfen seines Weinguts Vinoterra reifen nach der traditionellen georgischen Methode in riesigen Amphoren, die in die Erde eingegraben sind.

Darüber hinaus möchte Schuchmann aber auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung der uralten Kulturregion am Kaukasus mitgestalten. Analog zum deutschen System einer dualen Ausbildung in Berufsschule und Betrieb will er ab dem kommenden Jahr eine Fortbildung für georgische Weinbauern und Kellereiarbeiter anbieten.

Schuchmann hat sich mit großem Enthusiasmus ("Jetzt oder nie!") in sein georgisches Wagnis gestürzt. Georg Prinz zur Lippe hingegen hat beim Aufbau seines Weinguts in Sachsen erst ganz allmählich begriffen, dass er aus seinem Business mehr machen kann als preisgekrönte Burgunder und Scheureben, Elb- und Rieslinge.

Natürlich ging es auch bei dem Prinzen zunächst um den Ankauf möglichst guter Weinbaulagen, um die Modernisierung der in der DDR-Zeit heruntergekommenen Rebflächen und Anbautechniken, ums Errichten einer zeitgemäßen Kellerei und um die Anschaffung von ein paar Hundert Barrique-Fässern.

"Der Weinbau lehrt bodenständiges Wirtschaften"

Doch schon beim Renovieren des alten Vierseitenhofs im Dörfchen Zadel, in dem unter anderem die Rotweinkellerei Platz fand, kamen dem Prinzen neue Ideen. Heute beherbergt das Hofgut eine Vinothek, eine schicke Pension plus ein Feinschmeckerlokal - und ist eine Touristenattraktion der Region Meißen.

Auf dem Weingut und in seinem Logistikzentrum - Schloss Proschwitz verkauft etwa 500.000 Flaschen pro Jahr -, in der Eventagentur, in seiner Brennerei für Edelspirituosen und in seiner Gastronomie beschäftigt Georg Prinz zur Lippe heute rund 80 Mitarbeiter.

"Wir betreiben noch immer Känguru-Management", sagt der promovierte Ökonom: "Wenig im Beutel, aber große Sprünge machen." Doch hat der Prinz in den vergangenen 20 Jahren "eine neue Form von unternehmerischer Verantwortung gelernt": Zuvor, als angestellter Manager, war Georg Prinz zur Lippe vor allem auf den Shareholder-Value seiner Gesellschafter fixiert. Heute will er seinen Mitarbeitern ein verlässlicher Arbeitgeber, seinen Nachbarn im sächsischen Elbtal, seinen Gesprächspartnern in Wirtschaft und Politik ein ebenso verlässlicher Partner sein.

"Der Weinbau lehrt bodenständiges Wirtschaften", sagt Georg Prinz zur Lippe. "Das hat mich - wie meine Vorfahren - zu einem Familienunternehmer gemacht. Ich will hier in Sachsen etwas aufbauen, wovon auch noch die nächsten Generationen meiner Familie und meiner Mitarbeiter leben können."

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