Freitag, 23. Februar 2018

Carlos Slim Meister aller Kassen

Rechnet mit allem: Monopolist Slim in Konfektionsware

Was Carlos Slim Helú macht, sieht nicht schön aus, aber es funktioniert: Er dirigiert eine Wirtschaftsweltmacht. Nahaufnahme des reichsten Mannes der Welt.

Wie inzwischen erwiesen, arbeiten in der amerikanischen Medienindustrie einige der größten Schaumschläger, die in der Weltwirtschaft tätig sind. Besonderes Gelächter rufen immer wieder die Aktionen der New York Times Company (NYT) hervor, die in rapider Weise heruntergewirtschaftet worden ist.

Vor Dünkel und Aufregung möglicherweise blödsinnig geworden, hatten ihre Leute eine Reihe von Maßnahmen getroffen, die, schon jede für sich, eigentlich kein Unternehmen überleben kann: Sie hatten Anteile an ihrem Verlag zurückgekauft, als diese fünfmal so teuer waren wie heute; hatten in bester Lage einen Firmensitz errichten lassen, den sie sich nicht leisten konnten, ihren alten aber so billig abgegeben, dass der Nachbesitzer doppelt so viel mit dem Weiterverkauf erlöste.

Anteile der Vermögen von Carlos Slim und Karl Albrecht am Bruttoinlandsprodukt ihrer Länder: Slim: 7,3%, Albrecht: 0,7%
REUTERS / manager magazin
Anteile der Vermögen von Carlos Slim und Karl Albrecht am Bruttoinlandsprodukt ihrer Länder: Slim: 7,3%, Albrecht: 0,7%
Sie hatten 1,1 Milliarden Dollar für den "Boston Globe" bezahlt und alle Übernahmeangebote für das Blatt noch abgelehnt, als die Medienkrise es schon zu zersetzen begonnen hatte. Heute ist der "Globe" von der Einstellung bedroht und praktisch gar nichts mehr wert.

Schließlich hatten sie, als stünden sie unter Drogen, wirre Experimente mit ihren eigenen Produkten angestellt, die sie plötzlich mit Hurra im Internet verschenkten, dann teilweise wieder verkauften, dann doch wieder verschenkten und demnächst wieder verkaufen wollen. Kurz, die Amerikaner waren der Pleite nicht mehr allzu fern, als sie im Herbst 2008 um Hilfe riefen, und Carlos Slim Helú (70), der mächtigste Mann von Mexiko, die Ohren spitzte wie der Bär in seiner Höhle.

Lässt man einmal die arabischen Ölmonarchen beiseite, ist Slim oder "El Ingeniero", wie ihn seine Anhänger nennen, möglicherweise der reichste Mann der Welt, vielleicht sogar der reichste Mann, der je gelebt hat.

Auf 63,6 Milliarden Dollar soll sich sein Vermögen zurzeit belaufen, legt man die aktuellste Schätzung zugrunde, die Eduardo Garcia, einer der namhaftesten Finanzexperten Mexikos, kürzlich auf seiner Internetseite Sentido Común veröffentlicht hat (siehe Interview).

Obwohl inzwischen zur Weltberühmtheit aufgestiegen, gibt Slim immer noch das Rätsel auf: Wie einer so reich werden konnte in einem, wirtschaftlich gesehen, so langweiligen Land wie Mexiko?

© manager magazin 6/2010
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