Samstag, 20. Oktober 2018

Internet Die Welt ist nicht genug

Mit aggressiven Online-Strategien attackieren Google und Apple die etablierten Geschäftsmodelle vieler deutscher Unternehmen. Hiesige Konzerne reagieren vielfach hilflos auf die Herausforderung.

Und jetzt wird das mächtigste Unternehmen der Welt auch noch gesegnet! Ann Marie Sayers, die Stammesälteste der Ohlone-Indianer, entzündet Salbei in der perlmuttenen Schale einer Abalone-Muschel und wedelt den Rauch mit einer abgetrennten Vogelschwinge durch den fensterlosen Konferenzraum in Mountain View, Kalifornien. In traditionellen Beschwörungsformeln erfleht Sayers die Gunst der Ahnen für den Boden, auf dem Googles Stammhaus steht.

"Hoffentlich gehen die Sprinkler nicht an", flüstert einer im Publikum.

Nicht, dass Google Börsen-Chart zeigen auf Beistand aus dem Jenseits angewiesen wäre. Es läuft auch so ganz ordentlich. 23,7 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2009, ein Plus von 9 Prozent mitten in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten. Die beiden Kerngeschäfte - die Vermarktung von Online-Werbung und die Anzeigen rund um die Treffer der Google-Suchmaschine - verhalfen dem erfolgreichsten Internetkonzern aller Zeiten zu einer sagenhaften Umsatzrendite von 28 Prozent und zu Cash-Reserven von mittlerweile 24,5 Milliarden Dollar.

Geld, das Google einsetzt, um mit beispielloser Aggressivität in immer neue Bereiche vorzustoßen. Zuletzt traf es 2010 den Markt für Navigationssysteme. Vor wenigen Jahren erst hatte Nokia Börsen-Chart zeigen sechs Milliarden Euro für die Übernahme des Kartendienstes Navteq ausgegeben - da begann Google Ende 2009, seine eigene Navigationssoftware zu verschenken. Nokia musste nachziehen, die Navteq-Dienste auf dem Nokia-Handy gibt es jetzt ebenfalls kostenlos.

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Branche um Branche rollt Google mit dieser Gratisstrategie auf, zwingt etablierte Anbieter zu Preissenkungen, pulverisiert deren Margen. Ann Marie Sayers sollte ihren Segen besser für all jene Unternehmen sprechen, denen Google in die Quere kommt. Sie haben es nötiger.

Etwa zur gleichen Zeit, zu der sich in Mountain View ein Konferenzraum mit Salbeiduft füllt, ruft Louie Sulcer aus Woodstock, Georgia, an seinem Computer die Seite www.itunes.com auf und lädt ein neues Lied auf seinen Rechner: "Guess Things Happen that Way" von Johnny Cash. Was Sulcer noch nicht weiß: Er hat gerade die Grenze von zehn Milliarden verkauften Liedern in Apples Online-Musikbörse geknackt. 25 Prozent der US-Musikumsätze finden inzwischen bei iTunes statt.

Längst ist der Computerhersteller nicht nur zum größten Musik-Einzelhändler der Welt geworden, sondern zum einzigen gleichwertigen Gegenspieler von Google - und damit zur letzten Hoffnung für all jene Unternehmen, die der digitale Margenfraß plagt. Als einer von ganz wenigen schafft Apple Börsen-Chart zeigen es, digitale Produkte im Internet tatsächlich zu verkaufen, statt zu verschenken. Seien es Lieder oder Filme bei iTunes, seien es Programme für das Apple-Handy iPhone, die sogenannten Apps, Filme und Bücher auf dem Kleincomputer iPad.

© manager magazin 4/2010
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