Samstag, 10. Dezember 2016

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Facebook Auf dem Weg zur Macht

Mit seinen 400 Millionen Mitgliedern hat sich das soziale Netzwerk zum Publikumsrenner im Internet entwickelt. Jetzt will der Shootingstar daraus Milliardenerlöse machen nach Google-Vorbild. Ein Inside-Report aus dem Firmensitz in Palo Alto.

Mark Zuckerberg (25) hat mal wieder nicht aufgeräumt. Auf seinem Arbeitstisch, der inmitten all der anderen mit ihren Dell-Monitoren steht und sich von ihnen nur durch die größere Unordnung (und den fehlenden Dell-Monitor) unterscheidet, hat er einen Haufen Krempel hinterlassen: Autoschlüssel und iPhone, eine Gabel, eine Papierserviette, ein Telefonbuch (Gelbe Seiten), einen Plastik-Seifenspender, zwei Alu-Macs (zugeklappt), einen Teller, einen Porzellannapf mit einem Zeug, das so aussieht wie chinesisches Kantinengemüse, eine schwarze Einkaufstüte mit "facebook"-Schriftzug und noch eine Menge anderen Kram. Ein kleiner Bambus versucht, ein bisschen nette Stimmung zu verbreiten, gibt aber bald auf.

Der Chef sei leider gerade unabkömmlich: "Besuch, wissen Sie", sagt Debbie Frost, eine Engländerin Mitte 30, die früher für den Gegner, das heißt für Google Börsen-Chart zeigen, tätig war, inzwischen aber Zuckerbergs Sprecherin ist beziehungsweise die Sprecherin seines Unternehmens, das in die Höhe emporgeblüht ist und sich nach allen Seiten prachtvoll entfaltet hat.

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Im vergangenen Jahr ließ Zuckerberg die auf zehn Gebäude in Palo Alto, einer Ortschaft 50 Kilometer südlich von San Francisco, verteilte Belegschaft der Ordnung halber in einem neuen Hauptquartier versammeln: einem zweistöckigen Zweckbau aus den 60er Jahren, der sich im Research Park der Stanford-Universität befindet, über eine Fläche von 14.000 Quadratmetern verfügt und zuletzt von der Firma Agilent bezogen gewesen war, die Oszilloskope, Signalgeneratoren sowohl wie Spektrum- und Logikanalysatoren herstellt.

Zuckerbergs Gestalter haben sich darum bemüht, der Lokalität den Anschein einer Schlosserei, jedenfalls einer Werkstatt zu geben: Röhren und Rohre, Stahlträger, Leitungen, Schläuche und Zylinder hängen herab, ragen hinaus, springen hervor, laufen unter den Decken dahin - wahrscheinlich zu Ehren des Handfesten in einer Welt der elektrischen Impulse. Einzelbüros mag es geben, sind aber nirgendwo zu entdecken.

Bevölkert wird die Anlage von ungefähr 1000 Menschen, die alle 28 Jahre alt zu sein scheinen und Jeans, T-Shirts und Turnschuhe oder Badelatschen tragen. Sie verströmen diesen etwas drieseligen, nicht unangenehmen kriegerischen Hochmut der Marke "Erfolgsmensch", der allen eigen ist, die fest glauben, an etwas Großartigem mitzuwirken. Weitere 500 von diesem Schlag will Zuckerberg noch einstellen, falls 500 reichen. Denn sein Laden wächst und wächst.

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