Freitag, 16. November 2018

Middelhoff & Marseille Das Dreamteam

Manchmal holt die Realität die Satire ein. Mit Thomas Middelhoff und Ulrich Marseille haben sich zwei umstrittene Zahlenkünstler gefunden. Warum sich das Duo wirklich zusammentut.

Die Nachricht vom vergangenen November amüsierte: Thomas Middelhoff (56), gescheiterter Vorstandschef des inzwischen insolventen Handelskonzerns Arcandor Börsen-Chart zeigen, werde in den Aufsichtsrat der Marseille-Kliniken AG Börsen-Chart zeigen eintreten. Inzwischen wird Middelhoff ganz offiziell als Aufseher des Altenheimbetreibers geführt.

Brüder im Geiste: Ulrich Marseille, Thomas Middelhoff
[M] mm.de; DDP; DPA
Brüder im Geiste: Ulrich Marseille, Thomas Middelhoff
Marseille? War das nicht jenes Unternehmen, das mehrheitlich seinem Aufsichtsratschef gehört, dem anerkannten Exzentriker Ulrich Marseille (53)? Jenem Marseille, der Widersacher verbal wie juristisch verfolgt und dessen Firma für kreative Bilanzgestaltung berühmt ist?

Kreative Bilanzgestaltung? War da nicht etwas mit Middelhoff? Richtig: An dem von ihm maßgeblich gestalteten Arcandor-Zahlenwerk bissen sich Heerscharen von Analysten die Zähne aus.

Da schien es nur konsequent, beinahe schicksalhaft, dass Marseille und Middelhoff irgendwann zusammenkommen würden - gewissermaßen als Dreamteam der deutschen Investor Relations.

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Über solche Parallelen kann Middelhoff nur schmunzeln. Er sei Marseilles Ruf gefolgt, weil er ihn sympathisch finde. Beide kennen einander seit 2004. Middelhoff war gerade Aufsichtsratschef bei der Arcandor-Vorgängerin KarstadtQuelle geworden und wollte einige kleine Karstadt-Warenhäuser loswerden. Marseille sei mit dem Vorschlag auf ihn zugekommen, einige Filialen, zumindest in den oberen Etagen, für betreutes Wohnen zu nutzen. Die fixe Idee wurde zwar nicht realisiert, doch die Gesprächspartner freundeten sich an, die Ehepaare trafen sich. Die Marseilles besuchten die Middelhoffs sogar einmal in St. Tropez.

Und dann, als Middelhoff ein Dreivierteljahr nicht mehr bei Arcandor war, suchte Marseille ein neues Mitglied für sein Kontrollgremium. Und er erinnerte sich des guten Bekannten.

Middelhoff trifft auf einen Pflegeheimbetreiber, der derzeit nicht gerade vor Gesundheit strotzt. Im Geschäftsjahr 2008/09 rutschten die Marseille-Kliniken in die roten Zahlen: Statt eines Gewinns von 13,7 Millionen Euro wie noch im Vorjahr musste der Klinikbetreiber nun fast den gleichen Betrag als Verlust ausweisen. Nun hofft das Unternehmen nach den am Montag vorgelegten Halbjahreszahlen des Geschäftsjahres 2009/2010 (immerhin ein leichtes Umsatzzuwachs war zu verzeichnen), "dass das vorhandene Momentum der ersten Jahreshälfte auch in den kommenden zwei Quartalen erhalten bleibt".

Der mit großem Tamtam angekündigte Ausbau des Akutkrankenhausgeschäfts ist unterdessen merklich ins Stocken geraten. Als nach wie vor einziges Haus dieser Art existiert das bereits 2006 erworbene St.-Nikolaus-Hospital in Büren. "Insbesondere das niedrigere Ergebnis des Akutkrankenhauses Büren" wird dann auch von Marseille im jüngsten Sechsmonatsbericht für den Rückgang des bereinigten Konzernergebnisses verantwortlich gemacht.

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© manager magazin 1/2010
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