Montag, 17. Dezember 2018

Baudenkmäler Der Reiz der alten Mauern

2. Teil: Die Wiederauferstehung von Gut Gerdshagen

"Während die Börsen in den vergangenen zehn Jahren zweimal regelrecht kollabierten", sagt Maik Rissel, Immobilienexperte der Hamburger Privatbank Marcard, Stein & Co, "mussten sich Anleger, die in Denkmalschutzimmobilien investiert hatten, kaum Gedanken um ihr Geld machen. Und das wird sich auch in den kommenden Jahren nicht gravierend ändern. Leider ist der Markt für lukrative denkmalgeschützte Immobilien jedoch reichlich eng."

Barocke Inschrift: Die wertvolle Wandbemalung auf Gut Gerdshagen entdeckte Michael Arndt nur zufällig
Jo Röttger
Barocke Inschrift: Die wertvolle Wandbemalung auf Gut Gerdshagen entdeckte Michael Arndt nur zufällig
Es war vor etwas mehr als zehn Jahren, als Bettina Arndt (38) fürchtete, ihr Mann sei übergeschnappt. Michael Arndt (44), Partner der Unternehmensberatung Bearing Point, hatte sich in ein 1555 erbautes Gutshaus in Mecklenburg-Vorpommern verliebt: DDR-grau verputzt, in neun Wohnungen parzelliert. Die Wände feucht bis verschimmelt, der Garten zugewachsen, voller Hühnerställe und Bauschutt. Nichtsdestotrotz war der Hobbyjäger wild entschlossen: Gut Gerdshagen sollte in seinem alten Glanz wiedererstehen - mit weißer Fassade, Giebeluhr und Burggraben.

14 Monaten dauerte es, bis Arndt seine Frau überzeugt hatte. Bettina Arndt gab ihre Stelle in der Konzernentwicklung einer Großbank auf und widmete sich fortan der Instandhaltung eines Traums. Die gebürtige Brasilianerin lernte alles Wissenswerte über die Restauration alter Holzfußböden, suchte in ganz Europa nach geeigneten Wandfarben und passenden Fensterrahmen. "Ich habe im Prinzip einen völlig neuen Beruf gelernt", sagt die Volkswirtin heute.

Stück für Stück verwandelte das Ehepaar den grauen Klotz in das Herrenhaus, das es von alten und vergilbten Fotos kannte. "Die Hauptarbeit bestand zunächst im Herausreißen unzähliger Trennwände", schildert Michael Arndt den Umbau. Teile des Daches mussten neu gedeckt werden. Mehrere Wochen lang fahndete Bettina Arndt allein nach passenden Ziegeln. Ihr Mann schlug den grauen Putz ab und räumte den Bauschutt aus dem Burggraben. Anschließend ließ er den Graben mit Wasser auffüllen und neu bepflanzen. Schließlich entrümpelte das Ehepaar den völlig verwilderten Garten und gestaltete ihn so, dass er die Bezeichnung Park wieder verdiente.

Zehn Jahre später glänzt das Gutshaus am Ende einer langen Auffahrt, die vor der Haustür in ein Rondeel mündet. Zu jeder vollen Stunde schlägt die Uhr im Dachgiebel. Die Gutsherren residieren in einem lichtdurchfluteten Refugium und vermieten vier geräumige Ferienwohnungen. Den Pferdestall des Gutes vermieten sie für Hochzeiten und andere Veranstaltungen.

Am Ende überstiegen die Kosten der Restaurierung den Kaufpreis für das alte Herrenhaus um den Faktor 10. Das heißt, mehr als 80 Prozent der Summe, die sie für Kaufpreis und Restaurierung aufbringen mussten, konnten die Arndts mit dem Finanzamt verrechnen. Bei Gutverdienern, die den Spitzensteuersatz zahlen, trägt der Staat folglich annähernd die Hälfte der Restaurierungskosten.

Wichtiger als das Finanzielle ist den Arndts jedoch der Wohlfühlfaktor. "Unsere Rendite ziehen wir neben den Mieteinnahmen aus der Freude an der Sanierung eines Hauses mit einzigartiger Seele", schwärmt Arndt. Diese Seele besteht unter anderem aus einem Barockzimmer mit opulentem Deckenstuck und einem Kaminzimmer mit barocken Inschriften an der Wand.

© manager magazin 1/2010
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