Sonntag, 22. April 2018

Wahre Werte Macht Geld glücklich?

4. Teil: Es zählt der Vergleich mit anderen

Dass Geld einsam macht, konnte experimentell bestätigt werden. In dem Interview-Experiment soll die Versuchsperson für ein Gespräch zwei Stühle ausrichten. Hängt in dem Raum ein Bild mit einem Geldmotiv, so stellt sie die Stühle weiter auseinander, unbewusst. Der Grund: Wer gerade an Geld denke, so Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, möchte ein bisschen mehr Distanz zu seinen Mitmenschen.

Zirkulierendes Kapital: Sicheres Investment ins eigene Glück - wenn man sein Vermögen mit anderen teilt
Serge Bloch
Zirkulierendes Kapital: Sicheres Investment ins eigene Glück - wenn man sein Vermögen mit anderen teilt
Warum sind wir nicht glücklicher? Natürlich sind reiche Menschen meist glücklicher als arme, aber meist nur ein bisschen. Der englische Sozialpsychologe Michael Argyle ("The Psychology of Happiness") hatte festgestellt, dass sich 67 Prozent der Multimillionäre als glücklich bezeichnen, aber auch 62 Prozent der Durchschnittsverdiener. Die Ökonomen staunten und forschten. Natürlich fanden sie auch schnell eine logische Erklärung für dieses Phänomen: den "abnehmenden Grenznutzen". Der besagt: Das Verhältnis von Geld und Glück ist nicht linear.

Wer 100.000 Euro im Jahr verdient, ist tendenziell glücklicher als derjenige, der mit 10.000 Euro auskommen muss. Aber er ist eben nicht zehnmal glücklicher. Die Wissenschaftler glauben mittlerweile sogar, dass es eine Obergrenze gibt, ab der mehr Wohlstand nicht automatisch mehr Wohlbefinden bringt. Eine Emnid-Umfrage im Jahr 2005 ergab, dass die meisten Singles hierzulande zu ihrem Glück rund 2000 Euro brauchen.

Wichtiger als das absolute ist nämlich das relative Einkommen. Wenn ich mir als Einziger in der Straße ein Coupé der CL-Klasse von Mercedes-Benz leisten kann, macht mich das glücklich. Fährt der Nachbar auch eines, dann verliert meines an psychologischem Mehrwert. Was zählt, ist der Vergleich mit anderen.

Glücksforscher der Harvard-Universität haben dies experimentell überprüft. Ihre Probanden durften im Versuch zwischen zwei "Welten" wählen: Im Widerspruch zu der klassischen Wirtschaftstheorie entschieden sich die meisten Studenten für jene "Welt", in der sie zwar weniger Geld hatten, aber mehr als die anderen. In einem anderen Versuch bekamen Studenten für ihre Teilnahme an einem Versuch einen stattlichen Geldbetrag und waren sehr zufrieden - bis sie erfuhren, dass andere Teilnehmer mehr erhalten hatten. Wer sich unfair behandelt fühlt, ist unglücklich. Nicht nur auf dem Campus: Laut einer Studie der Aarhus School of Business sind Menschen umso unglücklicher, je weiter sie politisch links stehen. Sie leiden besonders unter den sozialen Ungleichheiten, sogar wenn sie nicht betroffen sind.

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