Montag, 18. Februar 2019

Wahre Werte Macht Geld glücklich?

3. Teil: Die Depressionen der Glückspilze

Aufsehen erregte 1998 eine Studie der London School of Economics and Political Science. Nach diesem Glücksranking sind die Menschen in Bangladesch, Aserbaidschan, Nigeria, auf den Philippinen und in Indien am glücklichsten. Deutlich unzufriedener sei man in den Industrienationen: Großbritannien belegt den 32., Deutschland den 42. Platz. Und die USA, die das Streben nach Glück ("Pursuit of Happiness") 1776 in ihre Unabhängigkeitserklärung aufgenommen haben, liegen abgeschlagen auf Platz 46. Auch in einer Untersuchung der britischen New Economics Foundation waren die Menschen aus Industrienationen unglücklicher als die Bewohner Lateinamerikas.

Niedergeschlagen: Ein Geldsegen bringt finanzielle Freiheit - mitunter aber auch einen Berg Probleme
Serge Bloch
Niedergeschlagen: Ein Geldsegen bringt finanzielle Freiheit - mitunter aber auch einen Berg Probleme
Zu einem anderen Ergebnis kam der britische Sozialpsychologe Adrian G. White. Zum Glück gehörten für ihn auch Parameter wie Gesundheit, Wohlstand und Bildung. Auf seiner "Weltkarte des Glücks" lagen nun die Dänen vorn, gefolgt von Schweizern und Österreichern. Glücklos waren nach dieser Studie die Menschen im Kongo, in Simbabwe und Burundi. Gibt es also doch einen Zusammenhang zwischen Glück und Pro-Kopf-Einkommen?

Das Schicksal der Neureichen

Glücksforscher Easterlin fragte die Menschen auch, wie viel mehr Geld sie bräuchten, um glücklich zu sein. Die Antwort fiel überraschend bescheiden aus: rund 20 Prozent. Andererseits geben allein die Deutschen jedes Jahr rund fünf Milliarden Euro beim Lottospielen aus - und hoffen nicht auf 500 oder 5000 Euro, sondern den Jackpot. Dabei liegt die Chance auf sechs Richtige mit Superzahl gerade mal bei 0,00000071511 Prozent. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich - wie jener Krankenpfleger weiß, der 2006 den bislang höchsten Einzelgewinn erzielte: 37,7 Millionen Euro.

Die Glücksforscher beobachten auch Glückspilze wie ihn. So stellte der Psychologe Martin Seligman von der University of Pennsylvania fest, dass das große Glück von Lottogewinnern im Schnitt gerade mal drei Monate währt, dann pendelt sich deren Glückslevel wieder auf dem alten Niveau ein. Wenn sie Glück haben. Denn nachdenklich stimmt, was der Wirtschaftswissenschaftler Andrew Oswald (Warwick University) herausfand: Drei Jahre nach einem großen Geldgewinn leiden Lottogewinner häufiger an Depressionen als die im Spiel glücklose Durchschnittsbevölkerung.

Warum das so ist? Oswald kann nur spekulieren: Frust, weil Materielles auf Dauer nicht glücklich machen kann; Angst, weil die ersehnte Sicherheit, die ein Vermögen verheißt, sich nicht einstellt und einen die Sorge umtreibt, wie man das Kapital erhalten kann. Zudem hängt über den sozialen Beziehungen nun ein Damokles-Schwert: Mag sie mich - oder mein Geld? Auch das Verhältnis zu Freunden wird komplizierter. Einige erwarten ein bisschen (mehr) Unterstützung, andere fühlen sich aufgrund des finanziellen Gefälles nicht mehr ebenbürtig und ziehen sich zurück.

© manager magazin 12/2009
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