Dienstag, 19. März 2019

Hotels "Vier statt fünf Sterne"

Wer leistet sich noch Luxusübernachtungen? Der Berliner Tophotelier Willy Weiland spricht im Interview mit manager magazin über die Auswirkungen der Krise in der Fünf-Sterne-Hotellerie und die Zukunft der Edelherbergen.

mm: Herr Weiland, was ist im Augenblick der ultimative Luxus in der Hotellerie?

Weiland: Der Gast muss etwas vorfinden, was er zu Hause nicht hat, Dinge, die man so noch nicht kennt, nicht mehr kennt oder schon nicht mehr erwartet.

mm: Zum Beispiel?

Weiland: Ich denke da an ein neu eröffnetes Hotel in Kiew, ein kompaktes 270-Zimmer-Haus, eben sehr luxuriös gebaut, dem Design der Region angemessen, ein richtiges Grandhotel mit allem, was man heute nicht mehr macht, weil man moderner, rationeller, wirtschaftlicher denkt. Aber Luxus bedeutet auch, eine Klubetage zu haben, die sehr hohen individuellen Service garantiert.

mm: Die Zeiten sind im Augenblick auch für die Hotellerie nicht sonderlich spaßig. Gibt es irgendetwas, das Ihnen im Berufsalltag noch wirklich Freude bereitet?

Weiland: Mir macht der Job Spaß, ja. Aber es gibt durchaus Rückschläge: Man baut auf, man möchte neu gestalten, den Standard höher setzen, das Branding richtig rüberbringen - und dann bricht das Geschäftsreisesegment zusammen, weil die Firmen entscheiden, dass nicht mehr Business-Class geflogen wird und statt Fünf-Sterne-Hotels nur vier Sterne gebucht werden.

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mm: Die 22 Fünf-Sterne-Hotels in Berlin haben zu kämpfen, rund 15 Prozent Umsatzrückgang, zwei Häuser haben ihre Gourmetrestaurants geschlossen, Sir Rocco Forte erwägt mit dem "Hotel de Rome" angeblich den Rückzug. Wie geht es weiter?

Weiland: 2010 sehe ich verhalten und nicht positiver als das vergangene Jahr. Aber Berlin hat den Vorteil gegenüber anderen Städten, dass das Tourismussegment positiv besetzt ist, insbesondere im Freizeit- und Kulturbereich. Dort hatten wir in den vergangenen Monaten Zuwächse von bis zu 4 Prozent.

mm: Sie sind seit 19 Jahren Chef im "Interconti", seit 41 Jahren im Hotelgeschäft. Haben Sie solche Einbrüche schon einmal erlebt?

Weiland: Wir haben in den vielen Jahren immer wieder mal Krisen gehabt. Aber wir hatten nie das Problem, dass wir nicht wussten, wie sich die nächsten Monate entwickeln. Am 11. September 2001 etwa saß ich im Flugzeug nach Amerika, und wir mussten wieder umdrehen. Da wussten wir, okay, das ist ein Einschnitt, der vieles verändern wird. Aber die Wirtschaft funktionierte weiter. Das ist heute nicht der Fall, weil viele Faktoren schwer einschätzbar sind und wir daher nicht wissen, wohin die Reise geht. Die Reiserichtlinien sind von den Unternehmen neu definiert worden - in Zeiten der Krise ist Luxus nicht en vogue.

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© manager magazin 12/2009
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