Mittwoch, 21. November 2018

Magna-Chef Stronach Spieler mit viel PS

Magna-Chef Frank Stronach will Opel retten. Der Kaufvertrag könnte am Donnerstag unterzeichnet werden. Doch ist der Austro-Kanadier geeignet, den Rüsselsheimer Autobauer in eine erfolgreiche Zukunft zu führen? Undurchsichtige Kapitaltransfers in Stronachs Firmenimperium nähren Zweifel.

Als der Mann, dem die Bundesregierung Opel anvertrauen will, sein Pferd zur Siegerehrung führt, münden seine Mundwinkel in breite Grübchen. Sich selbst hält Frank Stronach (76) aufrecht und die Longe nah an den Nüstern der braunen Stute "Ginger Brew". Auf seinen dunkelblauen Anzug nimmt der Gründer des Autozulieferers Magna Börsen-Chart zeigen bei den mit gut 450.000 Dollar dotierten Woodbine Oaks von Toronto keine Rücksicht.

Pferdenarr: Magna-Gründer Stronach
Der Pferdesport ist eine teure Passion, Stronach hat sie institutionalisiert. Über die Firma Magna Entertainment (MEC) betreibt der Vollblutzüchter berühmte Rennbahnen wie Santa Anita bei Los Angeles oder Gulfstream in Florida und mehrere Kasinos. Das Geschäft ist hochdefizitär, am Leben erhielten es lange nur opulente Kredite aus Stronachs Imperium.

Doch am Ende reichten auch diese nicht mehr aus. MEC hat in den vergangenen Jahren mehr als 500 Millionen Dollar Verluste geschrieben, im März stellte das Unternehmen Insolvenzantrag unter dem US-amerikanischen Chapter 11.

Die Pleite wirft ein schräges Licht auf den künftigen Opel-Miteigner, den deutsche Politiker hofieren, seit er sein Interesse am Rüsselsheimer Autobauer bekundet hat. In Nordamerika hat Stronach durch unternehmerische Fehlentscheidungen und undurchsichtige Kapitaltransfers reichlich Investorenvertrauen verloren. Hierzulande blieben die Ereignisse noch weitgehend unbemerkt.

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Dabei deuten die Geschäftsberichte von Stronachs Unternehmen auf die bestehenden Interessenkonflikte hin: Die Holding Stronach Trust betreibt eine Firma namens M Unicar. Über sie kontrolliert der PS-Magnat den Autozulieferer Magna. Gleichzeitig ist Stronach Trust Hauptaktionär des Immobilienunternehmens MI Developments. Letzteres ist Hauptaktionär und größter Gläubiger von MEC. Über die Jahre flossen rund 372 Millionen Dollar an Darlehen in die Zockerbude.

"MEC hat viel zu viele Schulden und zu hohe Zinsausgaben", räumt Stronach lapidar ein. Dass die Kredite vom Hauptaktionär gewährt wurden, lässt er unerwähnt. Doch Investoren sprechen seit Langem von Quersubventionen innerhalb des Stronach-Imperiums. Jetzt klagen externe MEC-Gläubiger.

"MI Developments missbrauchte die Kontrolle über MEC, um es durch Geldspritzen in Form von Krediten künstlich liquide zu halten", steht in der Klageschrift. Dabei habe der Vorstand stets gewusst, dass die Kredite ausfallen würden. "Währenddessen zog MI Developments in Form von Zinsen und Gebühren enorme Summen aus der insolventen MEC ab", heißt es weiter. Zudem seien kurz vor dem Chapter-11-Antrag 125 Millionen Dollar aus der MEC in das Stronach-Imperium geflossen - "in betrügerischer Absicht". MI Developments weist die Vorwürfe zurück.

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