Montag, 10. Dezember 2018

Was macht eigentlich Tom Sommerlatte?

Über Jahrzehnte galt Tom Sommerlatte als "Mister Arthur D. Little". Heute steht der ehemalige Weltchef des Beratungsgeschäfts von ADL lieber vor seiner Staffelei, um auszudrücken "was man mit Worten nicht sagen kann". Ein neues Buch hat der 71-Jährige dennoch in Planung - Kurzgeschichten aus seiner Jugend.

Das Refugium von Tom Sommerlatte misst kaum 20 Quadratmeter. Farbtuben und Pinsel liegen auf hüfthohen Stellagen, Acryl- und Ölbilder lehnen dicht gedrängt an den Wänden, mittendrin steht eine Staffelei. Hier, in einem Nebengebäude seines Anwesens im hessischen Engenhahn, taucht der ehemalige Weltchef des Beratungsgeschäfts von Arthur D. Little (ADL) in eine völlig andere Welt ein; eine Sphäre, in der er mit farbkräftigen, eher abstrakten Werken, aber auch mit filigranen Zeichnungen und Kupferstichen das auszudrücken versucht, "was man mit Worten nicht sagen kann".

"Mister Arthur D. Little": Tom Sommerlatte arbeitete von 1970 bis 1997 bei ADL. Er ist der Firma bis heute in beratenden Funktionen verbunden.
Eigentlich hatte sich Sommerlatte, Sohn einer Malerin, schon in jungen Jahren der Kunst verschrieben. Nur weil die Familie es so wollte ("Tom, du musst etwas Ernsthaftes machen"), studierte er schließlich Naturwissenschaften und promovierte auf dem Gebiet der Chemischen Verfahrenstechnik.

Doch die Malerei hat den heute 71-Jährigen nie losgelassen. Und jetzt, nachdem er nur noch in geringem Umfang für ADL tätig ist und die meisten seiner Aufsichtsrats- und Beiratsmandate aufgegeben hat, bleibt endlich auch genug Zeit, seine Leidenschaft auszuleben.

Erst vergangenes Jahr hat er wieder einmal einen Teil seiner Bilder in einer Wiesbadener Galerie ausgestellt, gemeinsam mit seiner Tochter Eva, die ganz nach dem Vater gerät. Bei solchen Gelegenheiten geht schon mal eines der meist großformatigen Werke, die bis zu 7000 Euro kosten, über den Ladentisch, was bei dem Künstler aber zwiespältige Gefühle auslöst: Einerseits freut er sich über die Anerkennung, andererseits empfindet er den Verkauf eines Gemäldes "als einen Verlust".

Den wird er bei seinem jüngsten Projekt nicht erleben: Sommerlatte will ein Buch herausgeben. So kann er sich dem Publikum mitteilen, ohne ein Original hergeben zu müssen. Allerdings geht es diesmal nicht um Managementstrategien (zu diesem Themenkreis hat er mehr als 20 Werke veröffentlicht), sondern um Kurzgeschichten aus seiner Jugend. Noch in diesem Jahr soll der von ihm selbst illustrierte Band erscheinen, wenn er es zeitlich schafft. Denn neben all seinen Hobbys und sozialen Engagements hat der bekennende Christ ja auch noch eine Honorarprofessur für Systemdesign an der Universität Kassel, und die nimmt er sehr ernst - wie alles, was er anpackt.


Tom Sommerlatte (71) galt über Jahrzehnte als "Mister Arthur D. Little". 1970 holte ihn sein Mentor und Freund Harland A. Riker zu ADL. Später baute Sommerlatte das Beratungsgeschäft des US-Konzerns in Europa auf, 1996 wurde er Chef der weltweiten Consulting-Aktivitäten von ADL.

Da Sommerlatte die Strategie des damaligen CEOs von ADL nicht mittragen wollte, legte er 1997 sein Amt nieder. Er ist der Firma aber bis heute in beratenden Funktionen verbunden. Privat machte Sommerlatte von sich reden, weil er mit seiner französischen Frau Christine elf Kinder hat.

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