Montag, 17. Dezember 2018

Lufthansa Air Franz

Christoph Franz stürzte einst als Bahn-Manager über das neue Preissystem. Dann sanierte er die Swiss. Als designierter Chef der Lufthansa bringt er jetzt der größten deutschen Fluglinie Demut bei. Bedenklich ist die Lage der Lufthansa vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke.

Der Straßenname sagt schon, wo die meisten Bewohner ihr Tagewerk verrichten: "Lufthansaring". Im "Tagungshotel Seeheim", rund 30 Kilometer südlich vom Frankfurter Flughafen, treffen sich Lufthanseaten zu Seminaren oder logieren, wenn sie in der Zentrale zu tun haben.

Ein nüchterner Betonklotz, und doch umgibt den Ort etwas Sagenhaftes. Hier nahm die Ära Weber ihren Anfang. Jürgen Weber (67), der ehemalige Vorstandschef und heutige Oberaufseher, hatte in Seeheim jahrelang sein Werktagsquartier, während er die Lufthansa Börsen-Chart zeigen umwälzte wie keiner vor ihm.

Da passt es, dass jetzt Christoph Franz (49) im konzerneigenen Hotel absteigt. Noch sucht er ein Haus, der Umzug der Familie ist für den Herbst geplant. Einstweilen legt Franz von Frankfurt und Seeheim aus Hand an die Lufthansa. Vehement wie kaum einer vor ihm.

Seit Juni ist Christoph Franz neuer Vize-Konzernchef, designiert für die Spitze, zugleich Vorsitzender der wichtigsten Sparte, Passagierluftfahrt (Konzernjargon: Passage). Besonders aber füllt Franz neuerdings diese Rolle aus: Aufrührer vom Dienst.

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Schon nach wenigen Wochen im Amt ließ er die Mitarbeiter wissen, was auf seiner Agenda steht. Er will Milliarden einsparen, das Geschäftsmodell überprüfen und unverkennbar mit der Selbstzufriedenheit des Konzerns brechen. Zukunft hat die Lufthansa nur, diese Botschaft sendet Franz in vielen Varianten, wenn sie sich jetzt radikal verändert.

Ist das ein kalkuliertes Fanal, um vor den anstehenden Tarifverhandlungen die Gegenseite einzuschüchtern? Oder das Entree eines Aufsteigers, der weiß, wie man sich Respekt verschafft? Kenner gestehen Franz durchaus einen Sinn für den dramatischen Effekt zu. Noch mehr allerdings sei er ein "gnadenloser Realist", wie ein alter Weggefährte meint. Der Neue meint es wirklich so. Und hat sogar noch recht.

Vordergründig steht die deutsche Nationallinie besser da als die meisten Konkurrenten. Viele Fluggesellschaften gingen in den vergangenen Jahren pleite oder versanken in der Bedeutungslosigkeit. Die großen europäischen Rivalen - Air France-KLM Börsen-Chart zeigen und British Airways Börsen-Chart zeigen- erleiden derzeit Verluste, während für die Deutschen sogar im Horrorjahr 2009 noch ein operativer Gewinn drin ist.

© manager magazin 9/2009
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