Mittwoch, 14. November 2018

Boston Consulting Die Qual der Wahl

3. Teil: Das Volk verlangt, dass Köpfe rollen

BCG-Partner wundern sich ohnehin, dass bei all dem Gezerre das Geschäft noch so passabel läuft. "Wenn wir in diesem Jahr Nullwachstum schaffen, wäre das ein gutes Ergebnis", so Veith. "Und dafür liegen wir gut auf Kurs."

Auch nach Bürkners Wiederwahl ist die Kritik an dessen Stil nicht verstummt. Nicht nur seine Strategie ist umstritten. Sein Führungsverständnis nach Art des "Basta-Consulting" stößt vielen bitter auf, die BCG bislang eher als basisdemokratische Institution verstanden haben. Bürkner, so der Vorwurf, habe Vasallen auf Schlüsselpositionen gehievt, unabhängig von deren Qualifikation. Mit dem Bonushebel hält er sie sich gewogen. Dieses "Family-and-Friends-Programm" hatte auch Kontrahent Nicol im Wahlkampf heftig moniert.

Schon vor Jahren hatte Bürkner einen größeren Gewinnanteil zu seiner eigenen Disposition eingefordert. Nur mit Mühe kam der Vorstoß damals durch. Die Abstimmung musste sogar wegen formaler Mängel wiederholt werden. "Das war wie im Iran", erinnert sich ein Partner mit Grausen an den Urnengang.

Massiv wurde die Forderung laut, er solle nun, in seiner dritten Amtszeit, Grundlegendes ändern, Leute aus seinem Führungsteam austauschen. Kurz: Das Volk verlangt, dass Köpfe rollen.

Bürkner findet solcherlei Debatten offensichtlich fruchtbar. "Die Diskussion über das Was und Wie ist immer wichtig in einer Partnerschaft", hat er der "FAZ" anvertraut.

Er hat auch schon reagiert. Zwei Arbeitsgruppen wurden eingerichtet, für ein neues Entlohnungssystem und mehr Mitbestimmung. Die Besetzung hat er, wie üblich, selbst vorgenommen. Und die Taskforces sollen an ihn berichten.

Wie Bürkner auf diese Weise die Partnerriege befrieden will, ist langjährigen BCGlern ein Rätsel. Der nächste Knall ist wohl nur noch eine Frage der Zeit.

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