Montag, 18. Februar 2019

Deutsche Bahn Neben der Spur

Mit hohen, womöglich viel zu hohen Vorgaben belastet, mit einer miserablen Konjunktur bestraft, mit Altlasten beschwert: Rüdiger Grube, neuer Chef der Deutschen Bahn, müht sich um frischen Wind beim Schienenkoloss. Doch die Lage des Logistikkonzerns verdient allemal das Prädikat prekär.

Bei der Bahn hört der Chef neuerdings zu. "Wo drückt der Schuh?", fragt Rüdiger Grube (58) den Schaffner im ICE. "Welche Probleme habt ihr?", will er von den Monteuren im Ausbesserungswerk wissen. Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn (67) belehrte lieber, als sich etwas sagen zu lassen. Grube hingegen krönt ein kontroverses Gespräch gern mit der Formel: "Ich nehme Ihre Anregung auf."

Zupackend, aber zugänglich, jovial und gut gelaunt - Rüdiger Grube hat es auf Aufbruchstimmung abgesehen. Es soll vorangehen bei der Bahn - dank ihm und einer neuen Unternehmenskultur. Die Realität allerdings hält mit dem Schwung des neuen Vorstandschefs nicht mit. Tatsächlich steht die Deutsche Bahn vor einer Tour der Leiden:

  • Die globale Krise trifft das Unternehmen weitaus härter als lange vermutet.
  • Das Planwerk des Amtsvorgängers Mehdorn erweist sich zunehmend als Luftschloss.
  • Unternehmerische Altlasten werden dem Konzern zur Bürde, von der fehlenden Integration diverser Zukäufe bis zu drückenden Schulden.

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Wie wenig vom Nimbus des Börsenaspiranten Deutsche Bahn geblieben ist, hat der neue Vorstandsvorsitzende schriftlich: in der aktuellen Mittelfristplanung. Das Zahlenwerk, eigentlich schon Ende 2008 fällig, war von den Konzernstrategen im Dezember zurückgezogen und überarbeitet worden.

Erst am 13. Mai wurde es dem Aufsichtsrat zur Kenntnisnahme vorgelegt. Das Dokument trägt den Aufdruck "streng vertraulich" - und das gewiss auch aus Imagegründen. Schließlich ist wenig schmeichelhaft, was hier in Worten und Zahlen über das ehemalige "Unternehmen Zukunft" zu erfahren ist.

Noch vor Kurzem hatten die Bahn-Strategen kräftig steigende Gewinne von 2008 bis 2012 vorausgesagt . Nun aber erwarten sie einen tiefen Einbruch. Schlimmer noch: Die Rentabilität sackt so weit ab, dass die Börsenreife nicht einmal 2013 erreicht wird.

Als Ursache des Einbruchs nennt das Dokument "die Auswirkungen der Konjunkturkrise sowie die parallel steigenden Personal- und Energiebeschaffungskosten". Insgesamt entstünden dem Konzern Einbußen beim Vorsteuerergebnis (Ebit) von rund zwei Milliarden Euro jährlich. Durch "Gegensteuerungsmaßnahmen" wie das Sparprogramm "React 09" könne der Effekt zwar um 900 Millionen Euro jährlich reduziert werden. Dennoch bleibt ein herbes Minus im Vergleich zur ursprünglichen Planung.

© manager magazin 8/2009
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