Mittwoch, 21. November 2018

Schloss Elmau Zauberberg für alle

Ein Hotel wie eine Wundertüte: Konzertbühne, Spielplatz für Familien, Rückzugsort für Gestresste. Ein zauberhafter Ort für Körper, Hirn und Seele - das oberbayerische Schloss Elmau bietet Entspannung für Ruhesuchende.

Adrian Zecha war fasziniert. Der kosmopolitische Indonesier, der mit seinen "Aman-Resorts" in den 90ern die Hotelkultur revolutioniert hat, war am Fuße der schroffen Wettersteinwand im oberbayerischen "Schloss Elmau" abgestiegen und wusste: Das war es! Danach hatte er 30 Jahre lang gesucht, das hatte er immer machen wollen: ein Cultural Hideaway. "Genauso muss Luxus im 21. Jahrhundert aussehen", zollte er seinem deutschen Gastgeber Anerkennung. "Das Hotel als Thinktank. Inspirationen - auf höchstem Niveau".

Für Dietmar Müller-Elmau, den Eigner des Schlosses, war das mehr als das Lob eines einzelnen Gastes. Es war ein Ritterschlag. Und damit eigentlich auch der Schlusssatz eines Romans. Das Happyend in einem Stück, das man über weite Strecken auch ein Drama nennen darf. Enthält die Geschichte von Elmau doch alle dafür notwendigen Ingredienzen: Nebelschwaden und Mystik. Familienfehde und Feuersbrunst.

Dietmar Müller-Elmau ist auffallend groß und schlank und wirkt, obschon 54 Jahre alt und Vater von sechs Kindern, noch immer lässig unkonventionell. Ein Hauch von Kalifornien umweht ihn. Dabei wurde er im 1. Stock des Schlosses, auf Zimmer 54, geboren. So stellt man sich einen dynamischen Erben vor. "Aber tatsächlich habe ich ja alles kaufen müssen", sagt er. "Jeden einzelnen Stein habe ich hier selbst erworben und erlitten."

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Geerbt hat er die Lasten der Vergangenheit. Denn Elmau war nie einfach nur ein Hotel. Dietmars Großvater Johannes, ein theologischer Exot und charismatischer Lebensreformer, hat Elmau 1916 gegründet; Carlo Sattler, sein Schwager, das Schloss mit dem trutzigen Turm gebaut, Elsa Gräfin Waldersee, eine geborene Haniel, hat es finanziert. Von Anbeginn eine wunderliche Mischung aus Kloster, Schullandheim und Sanatorium, ein weltentrücktes Refugium deutscher Innerlichkeit. Jeden Morgen Tanz auf der Wiese; mittwochs und sonnabends festliche Elmauer Quadrille im Saal. Alle in Schwarz-weiß. Stammgäste in weichen englischen Tanzschuhen. Dazu täglich wechselnde Tischordnung, die zu respektieren war, wollte man die Gästegemeinde nicht gegen sich aufbringen.

Dietmar Müller-Elmau hat das alles gehasst. Die langen Tische. Die Tanzerei. Den Zwang zur Gemeinschaft. Seinen Großvater hat er nie kennengelernt. Der war 1949 gestorben, gebrochen. Weil er seine jüdischen Gäste geliebt und trotzdem Hitler verehrt hatte. Das Lebensziel - verfehlt. Aber seltsamerweise hatten die Elmauer Rituale ihren Gründer überlebt. Der Tanz ging weiter. Als wäre nichts geschehen. Und der Pianist rief zur Quadrille wie eh und je: "Eins, zwei, drei und dreeehen und grüüüßen und Platz wechseln " Das Schloss zwischen Wiesenmatten und Heuschobern hatte von seiner Faszination nichts verloren.

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