Montag, 19. November 2018

Golf-Staaten Die Retter aus dem Morgenland

VW-Porsche, Daimler, Ferrostaal - die Golf-Herrscher sind auf Einkaufstour in Deutschland. Doch können sie tatsächlich nennenswerte Teile unserer Industrie retten? Kar ist, dass die Investoren aus Mittelost nicht mehr nur duldsame Kapitalgeber sind, sondern selbstbewusst ihre eigenen Pläne verfolgen.

Es sind Aussagen wie die von Scheich Hamad Bin Dschassim Al Thani, die deutschen Industriellen die Schwermut mit Sandsturmgewalt vertreiben. Ob er sich einen Einstieg bei dem krisengeschüttelten Autohersteller Porsche Börsen-Chart zeigen vorstellen könne, wurde der Chef des Staatsfonds aus Katar Anfang Juni gefragt. "Diese Angelegenheit wird derzeit geprüft", gab der Araber unerwartet offen zurück.

Hamad ist nicht Scheich Irgendwer. Sein Wort hat Gewicht, sein Portemonnaie erst recht: Er gilt vielen als heimlicher Herrscher, über den sein Cousin, der jetzige Emir von Katar, sagt: "Mag sein, dass ich unser Land führe, aber ihm gehört es."

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Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Die Qatar Investment Authority (Qia), die Hamad steuert, hat aktuellen Schätzungen zufolge rund 62 Milliarden Dollar zur Verfügung. Ein Teil davon würde Porsches Finanznöte spürbar lindern. Förderlich für das Verhandlungsklima mag gewesen sein, dass sowohl Hamad als auch der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking eine Vorliebe für kubanische Zigarren haben. Aber man täusche sich nicht: Noch besser schmecken den Petropotentaten dicke Geschäfte.

Letzte Ausfahrt Golf: vorgestern Schaeffler (vergeblich), gestern Opel (dito), morgen VW-Porsche und übermorgen vielleicht ein mittelständischer Maschinenbauer. Sicher, am liebsten würde man sich vom deutschen Steuerzahler aushalten lassen, aber gleich dahinter auf der Beliebtheitsskala taumelnder Unternehmen folgt der gute Emir aus dem Morgenland.

Eine Pilgerbewegung hat sich vom Okzident aus in Marsch gesetzt. Delegationen von Unternehmern, Bankmanagern und Wirtschaftspolitikern werben um Geld und Gewogenheit. Können dollarsatte Scheichs tatsächlich nennenswerte Teile der deutschen Industrie retten? Und wenn ja: Wollen sie das überhaupt? Denn klar ist, dass die Investoren aus Mittelost nicht mehr nur duldsame Investoren sind, sondern durchaus selbstbewusst ihre Interessen wahrnehmen.

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