Freitag, 16. November 2018

Aldi Kein Glück mit dem Nachwuchs

Der unterschiedliche Einfluss der Familie auf den Handelsriesen im Norden und im Süden.

Familie Theo Albrecht

Auch hochbetagt nimmt Theo Albrecht (87) noch regen Anteil am Geschehen in seinem Reich. Selbst als er vor zwei Jahren im Krankenhaus lag, empfing er dort die Topmanager von Aldi Nord oder gab ihnen telefonisch Anweisungen. Zuvor war Albrecht sogar noch täglich ins Büro gekommen. Inzwischen jedoch taucht er kaum noch in der Essener Hauptverwaltung auf. Die Kraft reicht nicht mehr. Doch der Betrieb läuft auch ohne ihn, er hat sein Haus bestellt.

Ein Name, zwei Kulturen: Während Theo Albrecht bei Aldi Nord noch rege Anteil mitmischt, hat sich Karl bei Aldi Süd längst aus den Geschäften zurückgezogen
Der größte Teil des Familienvermögens liegt in mehreren Stiftungen. Die Söhne des Milliardärs, Theo junior (58) und Berthold (54), sitzen zwar im Verwaltungsrat der Firma, doch ihr Einfluss ist begrenzt. Berthold gilt als zu weich für eine Führungsaufgabe. "Man sieht und hört ihn nicht", sagt ein ehemaliger Manager. Theo junior eilt der Ruf voraus, schwierig im Umgang zu sein. Auch er ist nicht sehr präsent, nur gelegentlich ruft er mal einen Leitenden an und stellt Fragen. Primär kümmern sich die Brüder um die Aldi-Immobilien, die in einer Holding namens Alva gebündelt sind. Geschäftsführer Robert Gerlach hält eine Schlüsselstellung bei Aldi Nord: Die Alva-Erträge dienen nicht zuletzt der Erschließung der Auslandsmärkte. Zudem lenkt Gerlach jene Manager, die in den inländischen Regionalgesellschaften für die Filialentwicklung zuständig sind. Offenkundig genügt Theo junior und Berthold die Beschäftigung mit den Liegenschaften. Das operative Geschäft führt ohnehin der engste Vertraute des Alten, Hartmuth Wiesemann (64) - und das wird vorerst wohl auch so bleiben. Wiesemann, heißt es ganz offiziell, stehe Aldi Nord "für weitere Jahre unverändert zur Verfügung".

Das neue manager magazin

Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Familie Karl Albrecht

Bei Aldi Süd zog sich Theos Bruder Karl (89) schon in den 90er Jahren aus dem Geschäft zurück. Die Firmenanteile liegen wie im Norden in Stiftungsbesitz. Der Herr des Südreichs wollte seinen Sohn Karl (61) zum Nachfolger aufbauen. Der Junior wurde im Betrieb herumgereicht, sollte alles von der Pike auf lernen - erwies sich jedoch als linkisch und ungeeignet für einen Führungsjob. Dann erkrankte er. Es folgte die Trennung von seiner Frau. Als der Senior akzeptieren musste, dass von seinem Sohn keine Nachkommen zu erwarten waren, orientierte er sich schweren Herzens um. 2007 berief er den Sohn seiner Tochter Beate (57) in den Stiftungsrat, das Topgremium im Süden. Dem 33-jährigen Peter Max Heister haftet freilich aus Sicht des Großvaters der Makel an, dass er nicht Albrecht heißt, sondern den Ehenamen der Mutter trägt. Auch Beate Heister hat großen Einfluss bei Aldi Süd, obgleich sie keinen Posten bekleidet.

© manager magazin 6/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH