Donnerstag, 16. August 2018

Technologie Netzwerk der Tüftler

Die Fraunhofer-Gesellschaft, benannt nach einem bayerischen Erfinder, Unternehmer und Grundlagenforscher, boomt in der Krise. Anders als etwa die Max-Planck-Gesellschaft, die ausschließlich Grundlagenforschung betreibt, kümmern sich 57 Fraunhofer-Institute hierzulande um angewandte Forschung - zum Segen der deutschen Industrie.

Wachstumsstrategie? Was für eine Wachstumsstrategie? Hans-Jörg Bullinger lacht laut auf. Nein, sagt der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, darum gehe es doch gar nicht. Möglichst groß zu werden, das sei überhaupt kein sinnvolles Ziel für seine Organisation. Dann wird der 65-jährige Technologiemanager wieder ernst: "Wachstum gehört nicht zu unseren Entwicklungszielen."

Wenn man Bullinger zuhört, dann ist es offenbar einfach so passiert: Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Generationen ist die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) auf Rekordkurs. Das Jahr 2008 brachte der FhG das wirtschaftlich beste Ergebnis in ihrer 60-jährigen Geschichte. Im ersten Quartal 2009 ging die Tendenz sogar noch weiter nach oben.

Besonders positiv an den guten Zahlen der FhG: Aus ihnen lässt sich unter anderem ableiten, dass die Arbeit an der Zukunftsfähigkeit des produzierenden Gewerbes in vollem Gange ist. Sie zeigen, wie sich die schwer gebeutelte deutsche Industrie anstrengt, um sich in der Krise neu zu erfinden. Und sie sind ein Zeichen der Hoffnung. Denn keine andere Institution ist für die technologische Innovationskraft so wichtig: Die FhG ist Europas größte Organisation für angewandte Forschung. Aus einem Gesamtetat von 1,4 Milliarden Euro bezahlt sie rund 15.000 Mitarbeiter. In der Wirtschaft gilt sie als beliebtester Kooperationspartner für Forschung und Entwicklung.

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Konzernmanager wie Michael Macht, frisch gekürter Porsche-Chef und langgedienter Produktionsvorstand des Stuttgarter Sportwagenbauers, loben "Kompetenz und Effizienz" der FhG-Wissenschaftler. Daimler-Vorstand Thomas Weber, Herr über eines der größten F&E-Budgets der deutschen Privatwirtschaft, hält die praxisnahe Forschung der FhG sogar für den Königsweg zu Fortschritt und Wohlstand: Nur damit könnten "wir unsere Zukunft erfolgreich gestalten".

Bullinger persönlich hat entscheidenden Anteil an diesem Erfolg. Dem Schwaben, seit 2002 an der FhG-Spitze, ist es gelungen, den eingetragenen Verein von Grund auf zu modernisieren. Aus einem Verband von untereinander zerstrittenen kleingeistigen Tüftlern im politischen Abseits hat er eine differenziert denkende und zugleich schlagkräftige Truppe von Hochleistungsforschern gemacht. So hat er dafür gesorgt, dass heute nahezu jeder Direktor eines Fraunhofer-Instituts zugleich einen Lehrstuhl an einer benachbarten Universität hält. Das lockt ehrgeizige Doktoranden und andere Jungwissenschaftler zur FhG.

Letztlich, sagt Bullinger, gehe es doch darum, die Faszination von Wissenschaft, Technik und Fortschritt zu pflegen. In unverstelltem Schwäbisch zählt er die Erfolgsfaktoren des modernen Technologiemanagements auf: "B'scheid wisse, die Leut' begeischtre, zulange könne". Die verlange er auch von "meine Bube" - gemeint sind die Direktoren der 57 Fraunhofer-Institute.

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