Montag, 17. Dezember 2018

Aldi Eine Tüte geht um die Welt

Europa, Amerika, Australien - Aldi dehnt sein Imperium immer schneller aus. Dabei nützt dem Kultdiscounter die globale Krise: allerorten wollen die Kunden sparen. Die Albrecht-Brüder sind die großen Krisengewinner.

Klein und bescheiden steht sie da: Nur durch eine Rasenzunge vom Klotz des Einzelhandelsgiganten Wal-Mart getrennt, wirkt die Aldi-Filiale in West Haven im US-Bundesstaat Connecticut wie eine Einkaufsstätte aus einer fremden, längst vergangenen Welt.

Aldi in Amerika


Zwei Marken: Die Deutschen betreiben in den USA klassische Aldi-Läden und den Feinkostdiscounter Trader Joe's.


Hohe Erlöse: Die 1300 Filialen der beiden Ketten setzten 2008 rund 8,2 Milliarden Euro um.


Große Pläne: Demnächst will Aldi auch in New York Shops eröffnen.

Schmucklos sachlich gehalten, eben aldilike, fällt auch das innere Erscheinungsbild gegenüber dem Shopping-Palast von Wal-Mart Börsen-Chart zeigen deutlich ab. Die Ware ruht in Kartons, teilweise auf Paletten platziert, so wie angeliefert. Schmale Gänge, wenige Kassen, kaum Markenartikel - ganz und gar ungewohnt für die amerikanische Kundschaft.

Wie eine Kampfansage hat der deutsche Discounter seinen Laden unmittelbar neben das Selbstbedienungswarenhaus des Handelsweltmarktführers gesetzt. Die Aldi-Filiale ist die eintausendste auf US-Territorium - ihr provokanter Standort allerdings kein Einzelfall. Immer schön die Nähe von Wal-Mart suchen, so lautet die Taktik. Denn die alten Kunden von Wal-Mart, hoffen die Angreifer, sind die neuen Kunden von Aldi.

Die Rezession spielt dem Billiganbieter in die Hände. "Mehr denn je suchen Verbraucher nach Möglichkeiten, bei ihren Ausgaben für Lebensmittel zu sparen", sagte Aldis US-Präsident Jason Hart im März 2009 anlässlich der Eröffnung der Jubiläumsfiliale in West Haven. "Und Aldi", ließ er wissen, "ist die Antwort."

Die Deutschen sind mit ihren Eigenmarken rund 20 Prozent preiswerter als Wal-Mart und rund ein Drittel billiger als traditionelle Supermärkte. Immer mehr der seit jeher auf Markenartikel fixierten Amerikaner greifen anstatt zu Pepsi oder Coke zur Aldi-Cola mit dem mysteriösen Label "GT".

Knapp sieben Milliarden Dollar erlöste Aldi im vergangenen Jahr in den USA. Das ist für den gewaltigen Markt zwar noch eine bescheidene Summe, doch der Discounter wächst schnell - zuletzt um mehr als 20 Prozent per annum. Statt 30 Läden wie im Schnitt der früheren Jahre wurden 2008 gleich 100 neue Stores aufgemacht.

© manager magazin 6/2009
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