Montag, 25. März 2019

Soziales Engagement Tue Gutes und schweige

Viele Führungskräfte helfen in ihrer ohnehin knappen Freizeit anderen - meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Gerade in harten Zeiten gibt das Selbstbestätigung. Was bewegt sozial engagierte Manager ihre Zeit, ihr Know-how, ja ihre Gesundheit in den Dienst der guten Sache zu stellen?

Duisburg, Außenhafen - ein nüchterner Zweckbau im abendlichen Nieselregen. Lange, weiße Flure, an den Wänden Fotos von Tankschiffen, Pipelines, Raffinerieanlagen. Ein sachlich eingerichtetes Büro. Nichts, rein gar nichts spricht dafür, dass hier in der Zentrale des Öl- und Gasgeschäfts von Siemens große Gefühle aufleben könnten.

Hochkarätiger Nachhilfelehrer: Zwei Stunden pro Woche übte Ulrich Passow mit Ioannis Deutsch, Englisch, Mathe. Der MTU-Chefjustiziar rettete den begabten, aber armen Schüler mit seinem Engagement wohl vor der schiefen Bahn.
Robert Brembeck
Hochkarätiger Nachhilfelehrer: Zwei Stunden pro Woche übte Ulrich Passow mit Ioannis Deutsch, Englisch, Mathe. Der MTU-Chefjustiziar rettete den begabten, aber armen Schüler mit seinem Engagement wohl vor der schiefen Bahn.
Doch die Augen von Ralf Kannefass (41) schimmern verdächtig wässrig. Schnell blinzelt der Leiter des Bereichs Kompressoren und Turbinen die aufsteigenden Tränen weg, lächelt verhalten und erklärt: "Wenn ich an den Brief denke, bekomme ich Gänsehaut und feuchte Augen."

Der Brief, das ist das Schreiben eines zweifachen Familienvaters aus Skandinavien. Eines Mannes, der im vergangenen Sommer beinahe an Leukämie gestorben wäre. Und dem es dank 1,2 Kilo Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen von Kannefass heute deutlich besser geht.

"Ich konnte ein Leben retten, was für eine unglaubliche Vorstellung, was für ein Glück", sucht der Chef von 800 Experten für die Ölindustrie seine Emotionen in Worte zu fassen. Wieder lächelt er die innere Aufwallung weg und postuliert dann mit der Überzeugungskraft des erfolgreichen Managers: "Jetzt will ich möglichst viele Menschen dazu bewegen, auch Lebensspender zu werden."

So wie Kannefass, der sich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (www.dkms.de) engagiert, setzen sich hierzulande viele Führungskräfte für die Allgemeinheit ein. Und zwar nicht nur mit Geldspenden und dem Besuch von Benefizveranstaltungen. In ihrer ohnehin raren Freizeit trainieren sie Jugendliche in Sportvereinen, organisieren Konzerte, karren Lebensmittelspenden zur lokalen Tafel, renovieren Klassenzimmer oder buddeln Biotope.

Bis in die höchsten Etagen von Unternehmen und Verbänden finden sich Wohltäter: VDA-Chef Matthias Wissmann sammelt seit 30 Jahren Spenden für die Vietnam-Hilfe. Ex-SAP-Chef Henning Kagermann baut im sächsischen Zeißholz ein Museumsdorf auf. Daimler-Lenker Dieter Zetsche sitzt im Stiftungsrat der Deutschen Sporthilfe.

© manager magazin 5/2009
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