Mittwoch, 19. Dezember 2018

Woolworth Chaos im Kaufhaus

Finanzinvestoren treiben ein böses Spiel mit der insolventen Billigkette Woolworth. manager magazin sagt, wie das britische Unternehmen Argyll Partners, dem Woolworth seit Oktober 2007 gehört, die deutsche Warenhausfirma in die Pleite steuerte und sich der Pensionsverpflichtungen entledigte.

Es ist schon eine schwer verständliche Rolle, die der frühere Lidl-Manager Stefan Rohrer (40) seit einigen Wochen bei der Billigwarenhauskette DWW Woolworth Deutschland spielt. Am 2. März war er als Vorsitzender der Geschäftsführung angetreten, ohne Vertrag.

Kein Investor in Sicht: Woolworth wird vermutlich jede zweite Filiale schließen
Keine fünf Wochen danach, am 2. April, ließ er im Aufsichtsrat eine Erklärung verlesen, er lege sein Amt als Geschäftsführer nieder, trete überdies seinen Dienstvertrag nicht an. Denn den hatte er bis dahin immer noch nicht erhalten, folglich auch nicht unterschrieben.

Bei dem britischen Finanzinvestor Argyll Partners Holdings Ltd., dem Woolworth seit Oktober 2007 gehört, wurde anscheinend auf derlei Formalien nicht viel Wert gelegt. Bis auf eine: Am Ostersonnabend, dem 11. April, meldete Woolworth beim Amtsgericht Frankfurt Insolvenz an.

Damit ist auch die Londoner Zwischenholding von Argyll, die DWW Group Holding Ltd., insolvent - Woolworth war ihr größter Vermögensgegenstand.

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Zwischen Rohrer und Argyll gab es dem Anschein nach schwere Differenzen. Rohrer macht für seinen Rückzug geltend, die Gesellschafterin habe ihn nicht hinreichend über die dramatische Lage der Firma informiert. Offenbar war schon im März klar, dass Woolworth auf eine Insolvenz zusteuerte. Und als Geschäftsführer in eine Pleite hineinschlittern wollte Rohrer auf keinen Fall.

Sein Rückzug vom Topjob hinderte ihn indes nicht daran, weiterhin in der Firmenzentrale in Frankfurt-Niederrad ein- und auszugehen. Er berät inzwischen den Finanzinvestor Cerberus.

Der wiederum spielt eine ganz besondere Rolle. Zuerst hatte Cerberus im Herbst 2007 über einen Kauf der Deutschen Woolworth verhandelt - ohne Ergebnis. Plötzlich kaufte Argyll die Gesellschaft. Wurde Argyll von Cerberus als Erwerber womöglich nur vorgeschoben?

Auffällig jedenfalls, dass Argyll unmittelbar nach der Übernahme 110 Ladenimmobilien aus dem Besitz von Woolworth für 350 Millionen Euro an mehrere Cerberus-Fonds weiterreichte.

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