Montag, 10. Dezember 2018

Martin Blessing Der Staatsbanker

Immer wollte Martin Blessing Großbanker werden. Schon lange strebt er eine Fusion von Commerzbank und Dresdner an. Jetzt ist er am Ziel. Der Staat zahlt dafür.

Die langen Finger gespreizt vor der Brust. Kuppe trommelt vorsichtig auf Kuppe. Der Rhythmus leicht nervös. Ein Mann sitzt in der ersten Reihe und sucht noch das richtige Fingerspitzengefühl. Der Mann ist Banker. Kennt so einer das überhaupt?

Wir können jetzt nicht nachfragen. Gleich wird die Kamera ihren langen Schwenkarm ausfahren, und Martin Blessing, der Mann an der Spitze der Commerzbank Börsen-Chart zeigen, springt vom Klappstuhl eines Frankfurter Kinosaals, um schwungvoll die Bühne zu erobern. Er ist nicht der Typ für den federnden Gang; er nimmt große Schritte, geht leicht gebückt, als sei ein gehöriger Klotz auf seinen Rücken betoniert. Und schaut, mit Augen gerade so blau, dass man sie nicht farblos nennen muss, durch die Reihen. Ein Blick, der Resonanz verlangt! Wie der Blick eines unnachgiebigen Mathelehrers, der fordernd in die Klasse ruft: Habt ihr mich alle verstanden? Wir kapieren: Das ist der Martin-Blessing-Blick.

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Nun der Auftritt des Vorsitzenden. Ganz spontan soll er wirken, völlig locker sowieso. Charisma wird von ihm verlangt. Das eisige Wasser will erwärmt werden, in dem die Seinen gegen das Absaufen in den Finanzmeeren anrudern.

Im harten Scheinwerferlicht muss er ausnahmsweise keine schlechten Nachrichten verkünden. Heute lobt er sogar seine Leute draußen in den Filmpalästen des Landes. Für ein Projekt, bei dem geschauspielert wurde, was Laienbühne und Gruppendynamik nur hergeben. Das jede Menge Nerven sowie Dutzende Gigabyte Filmmaterial verschlungen hat. Und das alles um einer noblen Sache willen, die niemand aus dem großen Publikum bei diesen Herren suchen würde: Werte!

"Com.Werte" heißt das hausinterne Motivationsmovie, in dem Integrität, Respekt und Partnerschaftlichkeit geprobt wurden. Nebst Leistung, Marktorientierung und Teamgeist. Glaubt man ihm das? Immerhin: Als einer der Ersten, und bis heute auch einer der wenigen, zelebriert Blessing (45) im Oktober vergangenen Jahres per "Bild" das öffentliche Mea Culpa: "Auch wir haben Fehler gemacht."

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