Donnerstag, 18. Oktober 2018

Denkfabrik Jugend forsch

2. Teil: "Herausforderungen" statt "Probleme"

Die Stiftung stellt Recherchehilfen, Expertenkontakte und Infrastruktur zur Verfügung, darunter eine Internetplattform, auf der Ergebnisse ausgetauscht werden können. Am Ende soll ein rund zehnseitiges Memo stehen, das wissenschaftlichen Standards genügt, aber auch "unkonventionell und normativ" ist, meint McKinsey-Berater Kreyer: "Statt noch einer Analyse wollen wir Empfehlungen für konkretes Handeln geben."

"Herausforderungen" statt "Probleme": Die Arbeitsweise spiegelt die Haltung einer bis ins Mark pragmatischen Generation wieder
Ergebnisorientiert, interdisziplinär, unkonventionell: Die Arbeitsweise spiegelt die Haltung einer bis ins Mark pragmatischen Generation, die von "Herausforderungen" statt von "Problemen" spricht, die meritokratisch denkt statt proporzgetrieben. "Wenn in den etablierten Parteien jemand die Ochsentour durch die Gremien hinter sich hat, kann er doch an viele Fragen gar nicht mehr unvoreingenommen herangehen", meint Eisele.

Dass sich die junge Elite, gefrustet vom Parteienhickhack, ins politische Nirwana verzieht oder, schlimmer noch, ins Ausland, diese Sorge treibt auch Horst Köhler seit Langem um. Nach einem Besuch im Bundespräsidialamt entschlossen sich die Headhunter von Egon Zehnder vor rund zwei Jahren, das zu ändern. Sie entwarfen ein Konzept und begaben sich auf die Suche nach Geldgebern. Bei der Mercator-Stiftung machte man sie auf einen jungen Mann aufmerksam, der mit einer ganz ähnlichen Idee um Spenden geworben hatte: Lars Zimmermann, mit einem "Master of Public Administration" zurück aus Harvard und frisch infiziert mit der amerikanischen Begeisterung fürs pragmatische Zupacken. "Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Politik", sagt er. "Aber unsere Generation kam darin bislang kaum vor."

Pragmatisch, praktisch, jung: Die Stiftung Neue Verantwortung
In dem Thinktank arbeiten Praktiker aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft an praxisorientierten Lösungen zu fünf Themenbereichen: moderne Demokratie, globale Fragen, lebenslanges Lernen, nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, neuer Gesellschaftsvertrag. Aktuelle Projekte unter anderem: Kosten des Klimawandels, Zukunft der Lehrerbildung, Teilhabekapital, Parteien mit Zukunft.
Rund 100 Nachwuchskräfte bis 35 Jahre, exzellente Ausbildung, Berufserfahrung, gesellschaftliches Engagement. Vorschlag durch die jeweilige Institution, ab 2009 auch Eigenbewerbung.
Interdisziplinäre Projektteams mit je einem "Fellow" (ab Herbst 2009 Vollzeit) und rund zehn Associates bearbeiten zehn Monate lang ein Thema.
Träger sind die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (Acatech), die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, der BDI, Deutscher Olympischer Sportbund und Egon Zehnder International. Im Vorstand sitzen Jörg Ritter, Olaf Arndt, Albrecht von Breitenbuch. Geschäftsführer ist Lars Zimmermann. Den Etat von 750.000 Euro jährlich bringen Spender auf, darunter die Beisheim Holding, EnBW, Bosch, Giesecke & Devrient.

Zehnder und Zimmermann schlossen sich zusammen, gewannen für das Stiftungskuratorium prominente Unterstützer wie Dieter Zetsche (Daimler) oder Cem Özdemir (Grüne) und für die Finanzierung des Etats von 750.000 Euro jährlich solvente Spender, darunter den hessischen Unternehmer Friedhelm Loh, die Beisheim Holding, EnBW, Bosch oder Giesecke & Devrient.

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Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Quer durch die Republik wurden mehr als 800 Institutionen um Vorschläge für Teilnehmer gebeten, Unternehmen, Parteien, Forschungsinstitute, Kirchen, NGOs. Per Lebenslauf und Telefoninterview filterte Zehnder die Besten heraus. "Exzellente Ausbildung, breite Interessen, auch mal nach rechts und links geschaut", fasst Zehnder-Mann und Stiftungsvorstand Jörg Ritter das Anforderungsprofil zusammen. Wichtigste Hürde: gesellschaftliches Engagement und geistige Flexibilität. "Alle mit reinen Kaminlebensläufen haben wir aussortiert."

So ist eine bunte Mischung entstanden, zu der neben promovierten Jungmanagern wie Kreyer (seit vier Jahren bei McKinsey) und Eisele (Leiter Controlling bei Schmack Biogas) auch Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz gehören oder Menschen wie Timo Noetzel (Berater des Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz) und Bernard Jan Wendeln, der mit Bonventure einen sozial orientierten Venture Capital Fonds mitgründete. "Entscheidend ist nicht, woher jemand kommt oder wie viele Schulterklappen er hat, sondern was er weiß und kann - und ob er offen ist für andere Meinungen", sagt Ritter.

Eine Haltung, die im traditionellen Politzirkus, wo kritische Selbsteinschätzung bislang nicht zu den wichtigsten Eigenschaften zählt, bisweilen für Irritationen sorgt. Er wisse wirklich nicht, wer am besten geeignet sei, soll SPD-Generalsekretär Hubertus Heil geantwortet haben, als er nach Kandidaten für die Stiftung gefragt wurde: "Bei uns sind alle exzellent."

Aufsteiger-Check: Zünden Sie den Karriereturbo!

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