Dienstag, 20. November 2018

Grünenthal Der Pillenkrieg

5. Teil: Hohe Forschungsbudgets

Immerhin, die Zäsur gibt Grünenthal endlich die Chance auf einen Neuanfang. Denn Sebastian kam der Demütigung zuvor und reichte seinen Rücktritt ein. An die Unternehmensspitze rückte mit Harald F. Stock ein erfahrener Manager, der sich beim US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson bislang vor allem um die Orthopädietechnik gekümmert hat.

Drei Stämme, zwei Herrscher: Die Brüder Michael und Hermann Wirtz haben das Sagen im Konglomerat
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Anfang des Jahres hat Stock seinen Job im Familienbetrieb angetreten. Wie es heißt, will der 40-Jährige schnell Kosten senken, vor allem durch stärkere Kooperationen mit Wettbewerbern bei Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Arzneimitteln; strategisch plant er wohl ein größeres Engagement in Schwellenländern und die Erschließung neuer Therapiegebiete.

Gut möglich, dass somit schon bald die Vorteile von Grünenthal wieder stärker zum Vorschein kommen. Schließlich ist die Firma trotz der chronischen Renditeschwäche finanziell gesund. Der Liquiditätsbedarf der Gesellschafter ist gering, die Eigenkapitalquote liegt bei deutlich über 50 Prozent - in Zeiten akuter Kreditknappheit ein wahrer Schatz.

Auch die traditionell hohen Forschungsbudgets scheinen sich langsam auszuzahlen. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verfügt Grünenthal über eine ordentlich gefüllte Produktpipeline, vor allem durch das Schmerzmittel Palexia. In den USA hat das Medikament bereits eine erste Zulassung erhalten. Gelingt die Einführung auch in anderen großen Pharmamärkten, könnte Palexia für Einnahmen von bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr sorgen - die Summe entspräche fast der Hälfte des heutigen Firmenumsatzes.

Doch noch sind die Probleme des Unternehmens ungelöst. Und wie riskant das Pharmageschäft sein kann, weiß - Stichwort Contergan - kaum ein Hersteller so gut wie Grünenthal.

Das größte Risiko für die Zukunft des Unternehmens bleibt jedoch die Familie. Damit zumindest in der jüngeren Wirtz-Generation die Vernunft wieder eine Chance hat, plant der Beiratsvorsitzende Hennerkes Familientage, wie sie die Haniels oder die Eigentümer des Pharmakonzerns Merck kennen. Sein Kalkül: Wer miteinander redet, entwickelt auch eine gemeinsame Verantwortung.

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