Montag, 17. Dezember 2018

Grünenthal Der Pillenkrieg

2. Teil: Familieneigenes Kontra-Gen

Das familieneigene Kontra-Gen gefährdet das Firmenimperium, das fast 1,5 Milliarden Euro im Jahr umsetzt, aber inzwischen so gut wie keine Gewinne mehr abwirft. Neben Grünenthal gehören der Familie noch der Waschmittelproduzent Dalli (Dalli, Tandil) und der Parfümmischer Mäurer + Wirtz (4711, Tabac Original).

Gefährdeter Pharmahersteller: Die Eigentümerfamilie gefährdet durch die Stammesfehde die Zukunft von Grünenthal
Dirk Schleef
Gefährdeter Pharmahersteller: Die Eigentümerfamilie gefährdet durch die Stammesfehde die Zukunft von Grünenthal
Nirgendwo laufen die Geschäfte richtig gut. Grünenthal erwirtschaftete in den letzten Jahren bestenfalls minimale Renditen, Dalli zeichnet sich vor allem durch die Kombination "viel Umsatz, wenig Gewinn" aus. Und Mäurer + Wirtz bedient mit seinen strengen Düften und schwindendem Erfolg eher die Zielgruppe "70 plus".

Dass die Wirtzens ihr selbst geschaffenes Reich einmal derart aufs Spiel setzen würden, war bis vor wenigen Jahren noch undenkbar. Denn ein System aus Checks and Balances sorgte für unternehmerischen Erfolg und familiäre Ruhe.

Die drei Stämme (Michael/Hermann, Andreas/Franz und Richard) waren zwar an allen Firmen beteiligt, doch jeweils ein Stammesführer diente zumindest als inoffizieller Chef eines Geschäftsbereichs. So kümmerte sich Michael um Grünenthal, Andreas um Dalli und Richard um Mäurer + Wirtz.

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Das Machtgefüge zwischen den Vettern geriet erst durch den Tod von Richard in den 90er Jahren aus der Balance. Denn die Töchter des unprätentiösen Leiters der wirtzschen Parfümerie-Abteilung hatten früh entschieden, nicht im Familienimperium tätig zu werden.

Eine Chance auf territoriale Zugewinne, die zunächst Dalli-Geschäftsführer Andreas nutzte. Im Jahr 1999 hievte er seinen Sohn Albrecht als Nachfolger in die Führungsriege der Firma. Doch als Dalli 2005 tiefrote Zahlen schrieb, wurde Albrecht weggeputzt.

Weil mit dem Abgang gleich der ganze Stamm von Andreas und Franz das Interesse an Waschmitteln verlor, diente er seine Anteile der außerfamiliären Konkurrenz an. Die wollte jedoch einen Persilschein und strebte nach der Mehrheit bei Dalli, was die Clique um Michael und Hermann aber nicht zuließ. Lieber sicherte sie sich die Anteile selbst. Neben der traditionell bestehenden Mehrheit bei Grünenthal verfügte der Stamm sodann auch über die Macht bei Dalli.

© manager magazin 2/2009
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