Freitag, 17. August 2018

Sabbatical Einfach abschalten

Fast jeder Manager träumt davon, einmal richtig viel Zeit zu haben. Wer diese Erfahrung gemacht hat, weiß: Sie verändert das Leben. manager magazin hat einige dieser Aussteiger aufgespürt.

Als Sabine Wehle ein kleines Mädchen war, hatte sie einen Traum: "Ich träumte davon, einen Bauernhof auf dem Land zu haben, auf der Terrasse zu sitzen und den Pferden beim Grasen zuzusehen." Wenn die 53-Jährige heute vor die Tür tritt, hat sie genau diesen Anblick vor Augen: Eine saftig grüne Wiese, auf der ihre Pferde weiden, davor ein glitzernder Teich und dahinter dichte Wälder.

Auszeit: Nur wenige Arbeitnehmer trauen sich dem Wunsch nach einem Sabatical nachzugehen
Wehle hat ihren Traum wahr gemacht, nach einem abrupten Ausstieg aus der Turbowelt der internationalen Beraterriege. In ihrem neuen Leben auf dem Pferdehof tief in Hessen genießt sie, was die anderen Gehetzten und Getriebenen doch immer nur anstreben. Sie leistet sich den größten denkbaren Luxus: Sie hat Zeit. "Hier fühle ich keinen Stress mehr, es ist herrlich", sagt die Beraterin, die nun ein ganz anderes zweites Berufsleben anstrebt.

Laut einer Forsa-Umfrage träumen 38 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer von einem Sabbatical, einer Auszeit vom anstrengenden Job. Aber nur die wenigsten trauen sich, ihren Wunsch beim Chef zu äußern: aus finanziellen Gründen, aber auch weil sie Karrierenachteile fürchten.

Was aber erleben jene Auszeitpioniere, die für ein paar Tage, für einige Wochen, für ein halbes Jahr oder gar komplett aus dem Job aussteigen? Stellt sich tatsächlich jenes Glücksgefühl ein, das alle erwarten? Gewinnt man wirklich einen neuen Blick auf den alten Job und erledigt ihn dann wieder mit mehr Elan und gar größerem Erfolg? Führt eine Auszeit womöglich dazu, die Weichen fürs Leben noch mal ganz anders zu stellen?

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Titel
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manager magazin hat einige dieser Aussteiger aufgespürt - und ihre Erfahrungen sind in der Tat durchweg positiv. Ob sie nun ein halbes Jahr durch die Welt gereist oder gar ganz aus dem bisherigen Job ausgestiegen sind.

Dass es sich aber auch stets empfiehlt, einen Plan B für die Gestaltung des eigenen Lebens zu haben, zeigt die Karriere von Sabine Wehle. Jahrzehntelang hatte die Beraterin bei großen Instituten gearbeitet, zuletzt als eine von neun Seniorpartnern bei der Personalberatung Heidrick & Struggles, spezialisiert auf die Potenzialermittlung von Topmanagern.

Wehle führte das typische Leben der globalisierten Managerkaste: morgens mit dem Flieger hin, abends zurück. Einmal pro Woche nach London, alle zwei Wochen nach New York. Der Erfolgsdruck war hoch, das Gehalt aber auch. Alles bestens also. Oder doch nicht? Ein neuer Chef in der US-Zentrale, der seinen Umsatzdruck "äußerst ungefiltert" weitergab, sorgte dafür, dass Wehle immer häufiger ins Grübeln kam und sich, wenn sie frühmorgens in ihrem Armani-Kostüm im Flugzeug saß, im Stillen fragte: "Was mach' ich hier eigentlich?"

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