Freitag, 14. Dezember 2018

Insolvenzverwalter Mehr Henker als Helfer

6. Teil: Ruf nach Transparenz findet wenig Widerhall

Ähnliches berichtet Hans Stephani (65) vom Amtsgericht Magdeburg. Er war dort in den 90er Jahren als Konkursverwalter tätig und sollte "regelmäßig 20 Prozent des Honorars in einem Umschlag an den jeweiligen Richter abgeben", der ihn bestellt hatte. Das sei damals üblich gewesen. Das Gericht weist die Vorwürfe als "frei erfunden" und "ungeheuerlich" zurück.

Neue Pleitewelle droht: Unternehmensinsolvenzen in Deutschland
manager magazin
Neue Pleitewelle droht: Unternehmensinsolvenzen in Deutschland
Bestechlichkeit spiegelt sicherlich nicht den Alltag der Justiz wider. Gleichwohl lassen die vielen Fehlentscheidungen und Gefälligkeiten aufhorchen:

  • In Magdeburg, so erinnert sich Stephani, übergab ein Rechtspfleger seinem Vorgesetzten zwei Tickets für eine Reise nach Lanzarote, die ihm ein Verwalter zugeschickt hatte. Der Beamte wurde versetzt, der Treuhänder durfte bleiben.

  • Der mittlerweile verurteilte Verwalter Klaus-Philipp Lange (59) hatte die Vorlage einer Abschlussrechnung über Jahre hinausgezögert. Trotzdem konnte er seine Mandate behalten. Erst als sich Lange selbst anzeigte, erkannten die düpierten Kontrolleure, dass sie einem Rechtsbrecher aufgesessen waren.

  • Die Staatsanwaltschaft Schwerin ermittelte ab 1995 mehrere Jahre gegen Hans-Jürgen Lutz (57) wegen Untreue. Trotzdem versorgte ihn die Justiz mit großen Mandaten. Es dauerte zwölf Jahre, bis der Verwalter wegen eines Schadens von 3,1 Millionen Euro zur Rechenschaft gezogen wurde. Richter und Rechtspfleger hätten ihm die kriminellen Taten erleichtert, befand das Gericht.

Anwalt Nix zieht ein ernüchterndes Fazit: "Es findet an deutschen Amtsgerichten so gut wie keine Kontrolle statt."

Es wäre gar nicht so schwer, die Mauscheleien zwischen Gerichten und Insolvenzverwaltern einzudämmen - wenn nur die Vorgaben des Verfassungsgerichts befolgt würden. Die obersten Richter forderten 2006, dass vor der Bestellung eines Treuhänders ein "Qualifikationsnachweis mit strengsten Anforderungen" erbracht wird. Indes, der Ruf nach Transparenz findet wenig Widerhall. Nach wie vor macht jedes der 183 deutschen Insolvenzgerichte, was es will. Einige verzichten auf eine Überprüfung, andere stellen Eignungsanforderungen, doch die Qualitätskriterien, die sie zugrunde legen, variieren von Gericht zu Gericht.

Um den Wildwuchs zu bekämpfen, hat Hans Haarmeyer, der Wirtschafts- und Arbeitsrecht lehrt, mit Kollegen und Studenten ein Verfahren entwickelt, das die Solidität und Professionalität von Insolvenzverwaltern bewerten soll. Wer bei der Auswertung des Fragebogens besonders gut abschneidet, erhält nicht nur ein Zertifikat, sondern wird auch in ein Ranking der Topverwalter aufgenommen.

© manager magazin 1/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH