Samstag, 17. November 2018

Insolvenzverwalter Mehr Henker als Helfer

3. Teil: Den Schaden tragen stets die Gläubiger

Den Schaden tragen stets die Gläubiger, denn durch solche Machenschaften schrumpft die Masse, aus der ihre Forderungen bedient werden. Die wenigsten der Geprellten aber wehren sich, weil sie glauben, bei den Schuldnern sei ohnehin nichts mehr zu holen. Und die kleine Schar derer, die gegen einen Verwalter aufbegehrt oder gar die Justizverwaltung wegen mangelnder Aufsicht in Amtshaftung nehmen will, "rennt bei den Gerichten gegen eine Gummiwand", sagt Nix, dessen Hamburger Kanzlei mehrere Insolvenzgeschädigte vertritt.

Die gleiche Erfahrung machten Anleger der bankrotten Wertpapierhandelsfirma Phoenix Kapitaldienst in Frankfurt. Sie behaupten, Phoenix-Liquidator Frank Schmitt (43) habe ihre Kapitaleinlagen der Masse zugeschlagen. Das sei unzulässig, weil die Gelder den Anlegern direkt zustünden und nicht als Insolvenzquote an alle Gläubiger verteilt werden dürften. Schmitt sagt, sein Vorgehen sei rechtens.

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Durch die Transaktion stieg die Masse um 170 auf 230 Millionen Euro. Ein hübsches Geschäft für Schmitt. Weil sich das Honorar hauptsächlich nach der Masse bemisst, erhielt er allein für die ersten vier Monate als vorläufiger Insolvenzverwalter 3,2 Millionen Euro. Vermutlich wird sich das Verfahren noch Jahre hinziehen, daher rechnen Anleger mit einer Endvergütung von bis zu 30 Millionen Euro. Schmitt bezeichnet die Summe als "weit entfernt von dem, was tatsächlich abgerechnet werden kann". Dennoch klagt Markus Ross (48) vom Phoenix-Rechtsverfolgerpool: "ein krasser Fall von Bereicherung".

Anlegervertreter erstatteten 2007 Strafanzeige gegen Schmitt. Erfolglos. Ein strafrechtlich relevanter Vorwurf konnte Schmitt nicht gemacht werden.

Hilflose Gläubiger, dienstbare Rechtspfleger und Verwalter, die sich in der Vergütungsordnung besser auskennen als in den ihnen anvertrauten Betrieben - sie sind keineswegs Einzelfälle.

In Schwung gekommen ist das Gewerbe erst in den 90er Jahren. Als nach der Wiedervereinigung zahllose Firmen ihre Türen schlossen, entdeckten unerfahrene Anwälte und Kaufleute ein neues Aktionsfeld. Sie strömten gen Osten und wickelten dort die Hinterlassenschaften des Sozialismus ab. Parallel dazu bauten alteingesessene Kanzleien ihre Netzwerke aus. Insolvenzfabriken wuchsen heran, wie die Schultze & Braun Rechtsanwaltsgesellschaft. Deren 36 bestellte Verwalter betreuen an 30 Standorten pro Jahr rund 250 neu eröffnete Unternehmensinsolvenzen.

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