Samstag, 16. Februar 2019

Zehnder-Chef von Schmettow "Hire and Fire vernichtet Werte"

Johannes von Schmettow, neuer Primus der Personalberatung Egon Zehnder, spricht im Interview mit manager magazin über Führung in Zeiten des Übergangs und sagt, was gute Chefs auszeichnet.

mm: Herr von Schmettow, die globale Marktwirtschaft steckt in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Alte Gewissheiten brechen zusammen, eine neue Ordnung ist noch nicht erkennbar. Es gibt inzwischen viele, die den Topmanagern kollektives Versagen vorwerfen. Sie auch?

Schmettow: Das wäre eine grobe Vereinfachung. In Deutschland benötigen wir nicht per se andere Manager. In dieser äußerst schwierigen Phase geht es darum, strategisch Kurs zu halten. Wer jetzt in blinden Aktionismus verfällt - Kosten reduziert, in großem Stil Leute entlässt, in Panik ganze Geschäftsfelder einstellt -, der schadet dem langfristigen Erfolg des Unternehmens.

mm: Aber genau das passiert derzeit landauf, landab. In deutschen Unternehmen wird gespart um des Sparens willen, einfach weil es alle machen. Strategische Führung sieht anders aus, oder?

Schmettow: In der Tat. Andererseits: Die fähigen Manager haben in diesen Zeiten mehr denn je die Chance, sich zu beweisen. Die Kunst der Unternehmensführung besteht darin, für schlechte Zeiten vorzubauen. Sustainable Leadership - nachhaltige Führung -, das sollte das Leitbild sein.

mm: Deutsche Vorstände sind im Durchschnitt nur noch vier Jahre im Amt. Dadurch verkürzt sich naturgemäß der Zeithorizont des Topmanagements.

Schmettow: Sie haben recht: Das ist eine bedenkliche Fehlentwicklung. Unternehmen, genauer: die Aufsichtsräte, müssen erkennen, dass sie der Maxime nachhaltiger Führung verpflichtet sind. Kurzatmiges Hire und Fire in der Chefetage birgt die Gefahr der Wertvernichtung und ist deshalb nicht im Unternehmensinteresse. Es geht darum, Entscheidungshorizonte richtig einzuschätzen: Damit Wertschöpfung reifen kann, braucht es Jahre, in manchen Fällen gar Jahrzehnte. Genauso werden die Folgen von kurzsichtigen Entscheidungen in der Chefetage oft erst nach Jahren sichtbar.

mm: Also zurück zur alten Maxime der Deutschland AG: einmal Vorstand, immer Vorstand?

Schmettow: Auf keinen Fall! Meiner Ansicht nach sollten Vorstände ihr Amt mindestens fünf Jahre, jedoch maximal zehn Jahre ausüben. Bei zu kurzen Amtsperioden besteht die Gefahr, dass die Leute die negativen Konsequenzen ihres Handelns nicht mehr verantworten müssen. Jenseits der zehn Jahre nimmt die Bandbreite ihrer Fähigkeiten ab, das Denken wird enger, und die Offenheit gegenüber Kritik sinkt.

© manager magazin 12/2008
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