Dienstag, 11. Dezember 2018

Media-Saturn Der Panzerleutnant

Das Geschäftsmodell der Metro-Tochter Media-Saturn stößt an seine Grenzen, und der cholerische Chef Roland Weise sorgt für reichlich Frust im Management.

Die Szene hat die Dramatik eines Showdowns. Der Vorsitzende der Geschäftsführung bezichtigt den Stellvertreter, bei den Gesellschaftern seine Ablösung zu betreiben. Der Beschuldigte bestreitet jegliche Kontaktaufnahme zu den Eigentümern. Der Chef schreit ihn an: "Sie lügen!"

Wenig später, nach der fruchtlosen Aufforderung an den Vorgesetzten, den Vorwurf zurückzunehmen, nach Gesprächen der beiden Kontrahenten mit den Eignern (Motto jeweils: "Der oder ich"), packt der Vize seine Sachen.

So geschehen am 8. April 2008 und an den folgenden Tagen in Ingolstadt, in den Räumen der Media-Saturn-Holding GmbH - des erfolgreichsten deutschen Fachmarktunternehmens für Unterhaltungs- und Haushaltselektronik, zu gut 75 Prozent im Besitz der Metro AG Börsen-Chart zeigen.

Die handelnden Personen: Media-Saturn-Chef Roland Weise (56) und der langjährige Vertriebsleiter Klaus-Peter Voigt (48), bis zu seinem furiosen Abgang die Nummer zwei in der Firma. Zeugen: die komplette Geschäftsführung, eine Protokollantin, ein Assistent.

Der Eklat vom April, zu dem weder Weise noch Voigt sich äußern wollen, markiert den bisherigen Höhepunkt einer hässlichen Entwicklung im Management von Media-Saturn.

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Sie steht im krassen Gegensatz zum strahlenden Erscheinungsbild des Unternehmens, zu dem europaweit mehr als 700 Media Märkte und Saturn-Filialen gehören, das mit Werbekampagnen (Media Markt: "Ich bin doch nicht blöd", Saturn: "Geiz ist geil") Aufsehen erregte und das erfolgreich das - längst nicht immer zutreffende - Image des billigsten Anbieters zu etablieren vermochte.

Die personellen Wirren treffen Media-Saturn zur Unzeit. Im Inland schwächeln Umsatz und Ergebnis. Wichtige Auslandsmärkte fahren hohe Verluste ein. Überdies ist das dezentrale Geschäftsmodell in die Jahre gekommen. Es behindert das Wachstum, in erster Linie den Absatz über das Internet.

Nicht die beste Basis für die Pläne des Hauptgesellschafters Metro. Dessen Chef, Eckhard Cordes (57), möchte Media-Saturn gern an die Börse bringen - doch daraus wird erst einmal nichts.

Der Ärger im Management begann Anfang 2007 - mit dem Aufstieg des langjährigen Finanzchefs Weise an die Spitze. Sein Vorgänger, der Mitgründer und Minderheitseigner von Media-Saturn, Leopold Stiefel (63), war aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten.

© manager magazin 12/2008
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