Donnerstag, 22. November 2018

Business in Indien Nichts ist unmöglich

Nach den Terrorangriffen von Mumbai ist Indiens Geschäftswelt wieder auf dem Weg zum "Business as usual". Aber wie läuft das Business in Indien? Manager vor Ort erklären, welche Regeln in dem Wirtschaftswunderland gelten.

Der Dreck stinkt zum Himmel: Gurgaon, die moderne Bürostadt im Südwesten von Delhi, wo 200 der weltgrößten Konzerne ihre Indien-Zentrale haben, ist ohne Mülldeponie geplant worden. Der Abfall aus Büros und Hunderttausenden Wohnungen wird von der Müllabfuhr auf leer stehende Grundstücke gekippt.

Peter Kronschnabl, President von BMW India, hat sich an das Odeur gewöhnt, ebenso an das wummernde Geräusch aus dem Keller seines Büroturms in Gurgaon: "Unser Gebäude läuft im Schnitt acht Stunden am Tag auf Diesel." Eine funktionierende Stromversorgung gibt es in dieser Bürostadt der Zukunft ebenfalls nicht.

Willkommen in Indien: Einerseits ein Land auf dem Weg zur ökonomischen Großmacht, mit 53 Milliardären und einer Mittelschicht von über 300 Millionen Menschen, ein Hightech-Standort, der mit China um die Wette wächst. Auf der anderen Seite das Armenhaus der Welt: marode Infrastruktur und Slums, so weit das Auge blickt. 456 Millionen Menschen müssen mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag auskommen, leben unter der Armutsschwelle der Weltbank. Drei Viertel aller Inder haben weniger als zwei Dollar pro Tag. Das ist ein höherer Anteil als in der Subsahara-Zone in Afrika.

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Doch nicht nur der Spagat zwischen Erster und Dritter Welt fordert Geschäftsreisenden Einfühlungsvermögen ab. Der Subkontinent mit seinen 400 Sprachen und Dialekten, seinen Kasten und Religionen hat eigene Business-Regeln und Rituale entwickelt. Zwei Charakteristika bestimmen das Geschäftsleben: Die Beziehungsebene ist mindestens so wichtig wie die sachliche Ebene. Und was der Inder an Planung und Struktur vermissen lässt, gleicht er durch Flexibilität und Kreativität aus.

"Hier wird man immer erst mal zum Essen eingeladen", beschreibt Peter Kronschnabl die Kontaktaufnahme, "da erkunden die Inder ihr Gegenüber: welche Hierarchiestufe Sie in Ihrem Unternehmen besetzen, ob Sie Familie haben, an welcher Universität Sie waren." Seit zwei Jahren lebt der Bayer in Delhi und hat sich daran gewöhnt, dass "Familienanschluss" dazugehört: "Wenn man Geschäfte miteinander macht, hat man hier eine persönliche Beziehung." Im Dezember ist er bei seinem Händler in Kalkutta zu einer Hochzeit eingeladen, das Brautpaar feiert mit 7000 Verwandten und Freunden. In indischen Unternehmerkreisen sind Ehen oft Geschäftsbeziehungen. "Da werden zwei Familien miteinander verheiratet", beobachtet Kronschnabl, "das Geschäftliche und das Private gehören zusammen."

© manager magazin 12/2008
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