Dienstag, 11. Dezember 2018

Strüngmann-Brüder "Wir sind keine Couponschneider"

4. Teil: "Ein Wirkstoff gegen Krebs wäre die Krönung"

mm: Auch dann nicht, wenn die Forschungsansätze der Firma vielversprechend sind?

"Allergisch reagieren wir auch auf Mitarbeiter, bei denen wir Konzerndenke im fortgeschrittenen Stadium feststellen."

Andreas Strüngmann

Andreas Strüngmann: Unsere Erfahrung hat uns gelehrt, dass immer die Menschen das Produkt machen. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass charakterschwache Menschen selbst ein hervorragendes Produkt nicht zum Erfolg führen. It's not a product business, it's a people business - diese Feststellung zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Einstellung zu Geschäften.

mm: Und was müssen Menschen mitbringen, um die Anforderungen an das Management by Strüngmann zu erfüllen?

Thomas Strüngmann: Auf jeden Fall Leidenschaft. Genauso wichtig ist, dass sie auf dem Boden geblieben sind. Wir haben durch unsere Beteiligungen ganz gute Vergleichsmöglichkeiten. Es ist schon erstaunlich, wie sich Vorstandsgehälter unterscheiden oder Ansprüche von Wissenschaftlern.

Andreas Strüngmann: Allergisch reagieren wir auch auf Mitarbeiter, bei denen wir Konzerndenke im fortgeschrittenen Stadium feststellen.

mm: Was läuft bei Ihnen denn anders als in einem Konzern?

Andreas Strüngmann: Eine große börsennotierte Firma unterliegt natürlich anderen Regeln als ein kleines Familienunternehmen. Konzerne managen vor allem durch Kontrolle, während wir durch Vertrauen und Eigenverantwortung führen. Das fördert den unternehmerischen Geist - im Gegensatz zur Beschäftigung mit Kontrollinstrumenten oder dem Kampf gegen Hierarchien.

mm: Angesichts des Engagements, das Sie im Biotech-Bereich zeigen, drängt sich der Eindruck auf, dass es Ihnen primär gar nicht um finanzielle Interessen geht, sondern dass Sie etwas ganz anderes antreibt.

Thomas Strüngmann: Wir sind jetzt über 20 Jahre im Gesundheitsmarkt tätig ...

Andreas Strüngmann: ... fast 30 Jahre ...

Thomas Strüngmann: ... unser halbes Leben, und wir haben bei Hexal vor allem Generika produziert, also bestehende Medikamente nachgeahmt. Das kann ja nicht alles gewesen sein. Deshalb haben wir einen ungeheuren Antrieb, ein innovatives Produkt von der Entwicklung bis zur Markteinführung zu begleiten.

Andreas Strüngmann: Einen Wirkstoff gegen Krebs zu entwickeln, der nicht nur das Leben des Betroffenen verlängert, sondern den Tumor auch besiegt ...

Thomas Strüngmann: ... ein solches Medikament wäre die absolute Krönung, die "cherry on the cake".

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